Nachdem im April der Startschuss für die Vorplanung des Streckenabschnitts im Rheingau-Taunus-Kreis (RTK) gefallen ist, haben auch die naturschutzfachlichen Untersuchungen der Bereiche rund um die lange Zeit nicht genutzte Aartaltrasse begonnen. Welche Tier- und Pflanzenarten kommen dort vor? Welche Auswirkungen auf die CityBahn bringt dies mit sich? Diese und viele weitere Fragen klärt ein etwa zehnköpfiges Team um Norbert Porath und Oliver Toth von Mailänder Consult.

Im Rahmen der technischen Vorplanung zur vorgesehenen Verlängerung der CityBahn von Wiesbaden nach Taunusstein und Bad Schwalbach werden unter anderem die Schutzgüter Tiere und Pflanzen im Bereich um die Strecke der Aartalbahn untersucht. Die Untersuchungen des Bestandes in der vielfältig strukturierten Landschaft rund um das alte Gleisbett sind für die naturschutzfachliche und -rechtliche Beurteilung der Planung erforderlich und somit auch eine der Voraussetzungen für die spätere Einleitung eines baurechtlichen Genehmigungsverfahrens zur Realisierung des Streckenabschnitts.

Dokumentation von Amphibien

Blindschleiche

juvenile Äskulapnatter
(Zamenis longissimus)

Detaillierte Kartierung lässt umfassendes Bild der Natur entstehen

Wir haben mit Oliver Toth, Projektleiter und Landschaftsplaner bei Mailänder Consult, gesprochen, welche Besonderheiten das zu kartierende Gebiet hat, wie die Arbeiten voranschreiten und wann mit Ergebnissen zu rechnen ist.

In welchem Gebiet und Zeitraum werden die Untersuchungen durchgeführt?

Die Begehungen unseres Teams, das aus rund 10 Fachgutachtern der verschiedensten Fachbereiche besteht, erstrecken sich ungefähr über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren. Betrachtet wird das Umfeld einer geplanten Strecke von rund 16,0 km Länge.

Bei den Begehungen, die über das ganze Jahr verteilt und zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten stattfinden, entsteht ein umfassendes Bild der Flora und Fauna vor Ort. Dabei variieren die Untersuchungsräume je nach Artengruppe: Bis zu 200 Meter beidseits der Trasse beobachten wir das Vorkommen von Vögeln, im Nahbereich, unmittelbar am Gleisbett, finden sich beispielsweise Reptilien wie Eidechsen oder Schlingnattern.

Viele Tier- und Pflanzenarten sind schützenswert und damit für die Planung von Bedeutung. Welche Tiere und Pflanzen sind entlang der Aartalstrecke anzutreffen und wie bewerten Sie die Situation?

Im Bereich der Aartalstrecke konnten wir Fledermäuse, Eidechsen, Schlingnattern und Wildkatzen sowie verschiedene Vogelarten nachweisen. Fledermäuse nutzen zum Beispiel gerne lineare Gehölzstrukturen, wie den Verlauf der alten Gleise im Wald oder am Waldrand, als Jagdrouten. Da diese Strukturen bei einer Realisierung der CityBahn im Wesentlichen erhalten bleiben, können diese weiterhin von den Tieren genutzt werden.

Pflanzen und Pflanzengesellschaften werden im Rahmen einer Biotoptypenkartierung erfasst. Hierbei wird ein Fokus auf Biotope und sogenannte FFH-Lebensraumtypen gelegt. Die Biotope sind entweder selten oder erfüllen eine besondere Funktion in der Biotopvernetzung.

Wie wirken sich Ihre Arbeiten auf die Planung aus und wann ist mit ersten Ergebnissen zu rechnen?

Aktuell bewegen wir uns in der Vorplanung. Um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten, haben wir vorab eine sogenannte Faunistische Potenzialabschätzung durchgeführt, um das mögliche vorkommende Artenspektrum einschätzen zu können. Zudem wurden und werden vorhandene Daten ausgewertet. Es findet außerdem ein regelmäßiger Austausch mit Forst- und Naturschutzbehörden der Stadt Wiesbaden und dem RTK statt, denn für uns ist es besonders wichtig, die Personen miteinzubeziehen, die sich in diesem Gebiet auskennen. So sind wir zusätzlich zu unseren Begehungen über aktuelle Erkenntnisse informiert und können unsere Ergebnisse gemeinsam abstimmen.

Nachdem dieser erste Schritt der Bestandserfassung abgeschlossen ist, geht es an die Details: In 2020 werden wir uns nochmals gesondert mit den Vögeln in einem breiteren Sektor und möglichen Vorkommen des Hirschkäfers befassen, sodass wir im Laufe des nächsten Jahres mit ausreichend detaillierten Ergebnissen rechnen können.

Sollten sich im Rahmen der Vorplanungen Änderungen an der Planung ergeben, könnten weitere zu kartierende Flächen hinzukommen. Dies kann unter anderem bei benötigten Park-and-Ride Parkplätzen oder bauzeitlich genutzten Waldwegen der Fall sein.