Die Chemnitzer Straßenbahn wird über die Stadtgrenze hinaus bis nach Aue verlängert, einen entsprechenden Planfeststellungsbeschluss hat das Eisenbahnbundesamt erlassen. Die Strecke ist rund 47 Kilometer lang und läuft weitestgehend auf bereits vorhandener Trasse.

Eine Besonderheit des Ausbaus ist die Verknüpfung des Netzes mit den Eisenbahnstrecken im Umland nach dem sogenannten Chemnitzer Modell. Erste Strecke dieser Art war die Verbindung von Chemnitz nach Stollberg. Das Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene bescheinigte dieser Pilotstrecke im Jahr 2009 für den Zeitraum von 1998 bis 2008 einen Fahrgastzuwachs von 886 Prozent. 2016 wurde die Verbindung zum Eisenbahnnetz am Hauptbahnhof in Betrieb genommen. Mittlerweile erstreckt sich das Chemnitzer Modell auf einer Strecke von 89 Kilometern. Sobald die letzte Stufe ausgebaut ist, wird das Netz auf 278 Kilometer angewachsen sein.

“Ich freue mich sehr über diesen wichtigen Meilenstein fürs Chemnitzer Modell. Bald ist eine Bahndirektverbindung zwischen Chemnitz-Innenstadt und Aue möglich. Damit wird auch das Zwönitztal besser an das Oberzentrum Chemnitz angebunden.”

Dr. Harald NeuhausGeschäftsführer des Verkehrsverbunds Mittelsachsen GmbH

Wie funktioniert das Chemnitzer Modell?

Das Chemnitzer Modell ist ein System zur Verknüpfung zwischen Straßenbahn und Eisenbahn nach dem Tram-Train-Prinzip. Die Stadtbahntriebwagen wurden geringfügig angepasst, um auf der auf der bestehenden Eisenbahnstrecke nach Stollberg (Erzgeb.) fahren zu können. Die Strecke wurde zudem mit Gleichspannung elektrifiziert. Seit 10. Oktober 2016 sind mit den Eisenbahnstrecken nach Burgstädt, nach Mittweida und nach Hainichen weitere Relationen in den Stadtbahnbetrieb einbezogen worden, auf denen Zweikrafttriebwagen des Typs Vossloh Citylink zum Einsatz kommen und über eine neu geschaffene Verknüpfungsstelle am Chemnitzer Hauptbahnhof weiter in das innerstädtische Straßenbahnnetz verkehren können. Eine Besonderheit der Chemnitzer Citylink-Triebwagen sind unterschiedliche Einstiegshöhen, wodurch sowohl auf den angepassten Straßen- als auch auf den Eisenbahnstrecken ein stufenloser Einstieg möglich ist.

Mit dem Chemnitzer Modell in den Rheingau-Taunus-Kreis?

Das Chemnitzer Modell kann leider nicht für die Strecke zwischen Wiesbaden und Bad Schwalbach adaptiert werden, da sich die Planungen an wesentlichen Punkten unterscheiden. Zum einen verfügen das Chemnitzer Tram-Netz und die Eisenbahnstrecke nach Aue über identische Spurweiten, die Fahrzeuge können also ohne große Schwierigkeiten aus dem Straßenbahnnetz auf die Eisenbahnschienen wechseln. Zum anderen werden die Bahngleise aktuell genutzt und können sofort in den Trambetrieb integriert werden.

Der Bau der CityBahn stellt technisch betrachtet einen Ausbau des bestehenden Mainzer Tram-Netzes dar. Demnach sehen die Planungen vor, dass die Fahrzeuge der CityBahn die Mainzer Straßenbahninfrastruktur befahren und im Mainzer Betriebshof gewartet werden. Die Gleise des Mainzer Straßenbahnnetzes sind 1.000 Milimeter breit (Meterspur) – diese Breite ist für die Strecke der CityBahn gesetzt. Die Gleise der Aartaltrasse sind hingegen 1.435 Milimeter breit (Normalspur). Zudem sind sie im aktuellen Zustand nicht befahrbar und müssen daher im Falle der Reaktivierung ersetzt werden.

Aartaltrasse am Bahnhof Eiserne Hand (Foto: Richtest)

Im Laufe der Planungen konnte ein förderfähiges Konzept für eine Linie in Meterspur erarbeitet werden. Ein Beispiel für einen städteübergreifenden  Meterspurbetrieb gibt es im Rhein-Neckar-Raum. Hier fahren die Trams nach Heidelberg, Ludwigshafen, Mannheim, Bad Dürkheim und Weinheim. Ein Mischbetrieb von Normal- und Meterspurbetrieb wäre grundsätzlich denkbar – der technische Aufwand ist jedoch sehr hoch.