Foto: HEAG mobilo GmbH

Durch die Straßen Kaliforniens gleiten lautlos autonome Elektroautos – und durch Darmstadt fährt bald die erste autonome, ferngesteuerte Tram Deutschlands. Zu Beginn nur in der Lernphase, denn bis 2021 sollen Daten gesammelt werden, die die Mobilität der Zukunft langfristig ermöglichen sollen. Wann und wie genau wird das Projekt realisiert? Und welche positiven Veränderungen können autonome Straßenbahnen für unsere Städte bringen?

Im Rahmen der Darmstadt Konferenz am 12. und 13. Juni stellte das Forschungs- und Projektteam aus Digitalstadt, Technischer Universität, HEAG und HEAG mobilo sowie der Telekom die „Machbarkeitsstudie zur Automatisierung und zu Assistenzsystemen der Straßenbahn“ – kurz MAAS – vor. Ausgestattet mit allerlei Sensoren und technischen Geräten, wird eine herkömmliche Straßenbahn Daten und Erfahrungswerte aus dem Darmstädter Verkehr aufzeichnen. Dabei wird sie in dieser anfänglichen Lern- und Testphase stets von einem Fahrer oder einer Fahrerin gesteuert.

Bereits 2019 geht es los

Ab Sommer dieses Jahres soll die Tram regulär auf allen Linien unterwegs sein, um die neue Technik zu testen und umfangreiches Datenmaterial zu sammeln. Gegebenheiten der Strecken, Gleisverläufe oder Positionen und Bedeutungen von Verkehrszeichen und Lichtsignalen werden in das System eingespeist – so entsteht ein allumfassendes Datennetz, das eine spätere autonome Fahrt ermöglicht. Auch heiklere Lernsituationen wird es geben: Wie soll die Bahn beispielsweise reagieren, wenn sich Personen im Fahrbereich der Tram befinden? In solchen Momenten lernt die künstliche Intelligenz, die von Anfang an mit an Bord ist, von den Handlungen des anwesenden Fahrers oder der anwesenden Fahrerin.

Straßenbahn mit Fernsteuerung

Ein besonderer Aspekt dieses zukunftsweisenden Projekts ist die Teleoperation, also eine Fernsteuerung der Tram. Von einer Fernwarte aus kann die selbstständig fahrende Straßenbahn gesteuert werden. So ist bei Ausfällen oder brenzligen Situationen immer das Eingreifen eines Menschen möglich. Zunächst werden alle ferngesteuerten Testfahrten auf dem Betriebsgelände der HEAG durchgeführt – danach soll es zwischen Hauptbahnhof und Griesheim eine Linie im öffentlichen Verkehr geben. Denn hier wurden bereits Antennen für das benötigte 5G Netz aufgestellt, welches Voraussetzung für die Fernsteuerung ist.

Die Projekt-Bahn fährt bald durch Darmstadt (Foto: HEAG mobilo GmbH)

Effizienterer Verkehr für die Innenstädte

Bis 2021 soll die Testphase voraussichtlich laufen. Danach sollen Trams auf Basis der erprobten Technik und der gesammelten Daten weiterentwickelt werden. Doch was genau verspricht man sich von der selbstfahrenden Bahn? Der Oberbürgermeister Darmstadts, Jochen Partsch, erklärt, dass es aus ökologischer Sicht zwingend notwendig sei, den ÖPNV zu stärken. Und genau das ist das Ziel des MAAS-Projekts: Ein Ressourcen schonender Nahverkehr, der das Netz entlastet und mehr Menschen davon überzeugt, das Auto stehen zu lassen. Denn die modernen Bahnen können auch zu Randzeiten häufiger fahren oder die Kernzeiten entzerren. Durch intelligente Fahrsysteme ist es zudem möglich, den Betrieb so zu optimieren, dass der Energieverbrauch gesenkt wird und die Straßenbahnen noch ökologischer fahren.

Ein Ausblick in die Zukunft

Dass solche Techniken in ferner Zukunft nicht nur in Kalifornien, sondern auch auf deutschen Straßen Anwendung finden, ist wohl kaum noch wegzudenken. Doch bis zum regulären Einsatz ist es noch ein langer Weg: Neben der anspruchsvollen technischen Komponente müssen auch ethische und rechtliche Grundlagen geschaffen werden. Denn ähnlich wie bei selbstfahrenden Autos fehlt auch hier die rechtliche Basis, wie autonome Verkehrsmittel vor dem Gesetz gehandhabt werden. Für die CityBahn ist daher eine zeitnahe automatisierte Fahrweise nicht angedacht. Doch es bleibt spannend zu beobachten, wie sich dieses innovative Projekt entwickelt.