Vertrauen in die richtige Zukunft?

Wie sich anhand der Ergebnisse der offiziellen Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) herausgestellt hat, haben wir jetzt einen offiziellen Quotienten von 1,5 vorliegen, der, wenn er über 1,0 liegt, die Machbarkeit des Projekts CityBahn für Wiesbaden, speziell auch der Förderung von Bund und Land eine sehr gute Empfehlung ausspricht. Damit verbunden, weitere Kennzahlen, die mir sagen: Hey, wir haben einen faktischen Anfang, den wir heute und in Zukunft als Maßstab beobachten können. Heute, d.h. wenn es so bleibt, wäre es ein tolles, zukunftsträchtiges Verkehrskonzept für Wiesbaden. Zukunft, d.h., wenn sich Bedingungen und Zahlen ändern, dann haben wir alle ein Gefühl, auf welcher Basis mögliche Risiken stattfinden. Diese Benchmarks sind auch eine Vertrauensbasis, die sagt, unter welchen Bedingungen die CityBahn kommt.

  • 305 Mio. Euro Investition für die CityBahn von Bad Schwalbach bis Hochschule Mainz
  • In Hessen trägt Wiesbaden 12,5 % der Kosten (Rest Bund & Land)
  • In Rheinland-Pfalz trägt Mainz 30 % der Kosten (Rest Bund & Land)
  • 98.000 Fahrgäste pro Tag
  • 200.000 Menschen erhalten direkten Zugang
  • Etc. – diese Zahlen sind ab sofort offiziell.

Wie kann man darauf vertrauen?

Stimmen diese Zahlen? Wird dieses Projekt in Zukunft erfolgreich sein? Also ich bin kein Fachmann. Ich weiß nur, dass das renommierte Verkehrsplanungsunternehmen PTV Transport Consult dafür engagiert worden ist und somit top Leute im Spiel sind, die wissen, was sie tun. Sie geben vor, dass ihre Zahlen an Vorgaben gebunden sind, d.h. die Kooperation mit Mainz, die Streckenführung über Biebrich, die Verstärkung der Theodor-Heuss-Brücke, Feintuning der Ampelschaltungen, die Akzeptanz des Mobilitätsmixes von CityBahn & E-Bussen etc. – alles Bedingungen, die mir machbar erscheinen, wenn auch weiterhin Profis am Werk sind. Ich vertraue auf Profis.

Endlich Bürgerbeteiligung!

Parallel zu diesen Ergebnissen, startet jetzt auch die Bürgerbeteiligung, die in der Vergangenheit etwas vernachlässigt wurden. Viele Vorstellungen wurden laut. Überall in der Medienlandschaft war zu lesen: Die CityBahn kommt. Nur nicht unter welchen faktischen Bedingungen. Die Folge, eine gewisse Unsicherheit, Fragen, Bedenken, Abneigungen. Weil keiner genau wusste, auf welcher faktischen Grundlage, dieses Vorhaben stattfinden soll. Das ist jetzt anders. Es gibt einen Bürgerdialog. Online. Hier findet ein Austausch statt. Fragen werden beantwortet. Fakten bereitgehalten. Wiesbadener ernsthaft berücksichtigt. Und auch der parlamentarische Prozess setzt sich am 21.12.2017 in diesem Sinne fort. Wenn das Stadtparlament die weiterführende Entwurfs- und Genehmigungsplanung genehmigt, werden weitere Fakten verdichtet und präzisiert. Sie genehmigen eine Informationsverbesserung und unterstreichen damit einmal mehr ihre Verantwortung, es richtig machen zu wollen. Die Bürger werden weiterführend eingebunden in Info-Messen, -Veranstaltungen und Online-Services. Sie sind nicht außenvor, sondern mitten drin. Das ist auch gut so!

Die neue Rolle der Gegner

Parlamentarisch begleitet die FDP als Opposition die Dinge. Praktisch als eine Gegeninitiative, wie die bereits bekannte BI Mitbestimmung CityBahn Wiesbaden. Beiderseits haben sie bis dato kritisch, laut, ihre Rolle als Gegner eingenommen. Wunderbar. Denn wenn diese NKU-Kennzahlen eine Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit vorgeben, dann werden jegliche Abweichungen immer rechtzeitig von der Gegenseite beobachtet und kommentiert. Perfekt. Da schenke ich doch beiden Seiten mein Vertrauen.

Sind wir im Stress?!

Betrachten wir das, was uns in der Vergangenheit vielleicht verrückt gemacht und heute nun aufgeklärt hat, dann sind wir nicht im Stress, sondern gemäß der Verantwortlichen von ESWE Verkehr sowie Politik im Plan. Sie haben sich in den nächsten 4-5 Jahren ein beeindruckendes Ziel für ein sehr modernes Wiesbaden gesetzt. Wir haben erhebliche Fördermittel im Gepäck sowie viele Menschen, die sich damit befassen, dass alles richtig läuft. Wer bin ich, dass ich so was in Frage stellen oder gar aufhalten soll? Ein solches großes Engagement mit Kooperationswilligkeit auf allen Ebenen, das setzt Vertrauen voraus. Da bin ich als Bürger mit im Boot.

Befürchtungen in Zukunft?

Große Befürchtungen kommen im Vergleich mit BER, Stuttgart21 oder Elbphilharmonie Hamburg auf. Warum eigentlich? Das neue RheinMain CongressCenter ist der beste Beleg dafür, dass wir große Projekte innerhalb der Vorgabe stemmen können. Schritt für Schritt haben wir auch hier völlig undramatisch erlebt wie es fertig wurde. So viele Vertrauensmomente, die mir also signalisieren: „Rolle, hock Dich hin. Schaue den Treiben der Fachleute und Prozesse rund um die CityBahn zu und melde dich, wenn Du was nicht weiß oder Du den Eindruck hast, du müsstest als Bürger was sagen.“ Und dem allgemeinen Bedenkentragen in unserer Stadt empfehle ich, sich neu auszurichten. Wir werden die CityBahn nicht verhindern, weil wir die Ausrichtung auf einen emissionsfreien ÖPNV und Alternativen zum Individualverkehr alle wollen. Demnach können wir Wiesbaden nicht dem Stillstand opfern, Wir sollten uns allen eine neue Mobilität schenken. Ökologisch wie logistisch smart am Start sein. Na klar: Das ist alles kein Pappenstiel, sondern der Fokus auf eine adäquate Perfektion für die Zukunft in unserer Stadt. Darauf vertraue ich gerne.

 

Andreas Rolle – Initiator von Lust auf Wiesbaden

Über den Autor: Andreas Rolle, Initiator und Admin der Facebook Gruppe Lust auf Wiesbaden mit über 16.000 Mitgliedern. Im Rahmen dieser Kolumne werden postulierte Fragen, Bedenken und Kommentare der hier aktiven Wiesbadener reflektiert und mit der gegenwärtigen Faktenlage verglichen.