Eine neue Stadtanalyse zeigt, wie die Wiesbadener ihr Mobilitätsverhalten zwischen 2013 und 2018 geändert haben. Trotz Klimadebatte und Verkehrswende bleibt das Auto das meistgenutzte Verkehrsmittel: Über 80 Prozent der Haushalte besitzen einen PKW und legen damit fast jeden zweiten Weg zurück – Tendenz steigend.

Wie die aktuelle Stadtanalyse des städtischen Amts für Statistik und Stadtforschung zeigt, steigen die Wiesbadener weiterhin für jeden zweiten Weg ins Auto. Dabei sind die zurückgelegten Strecken keinesfalls beachtlich lang: Fast 20 Prozent aller Wege enden schon nach einem Kilometer, knapp die Hälfte sind nicht länger als vier und über 80 Prozent der Wege nicht länger als zehn Kilometer. Selbst Strecken unter einem Kilometer werden schon in einem von zehn Fällen mit dem Auto zurückgelegt.

Trotz überfüllter Busse: Anteil des ÖPNV stagniert

Einen leichten Anstieg verzeichnet auch der Radverkehr – im Verhältnis zu anderen deutschen Großstädten wird jedoch deutlich, dass der Anteil von Radlern in Wiesbaden mit 7 Prozent immer noch weit unter dem Durchschnitt liegt. Die öffentlichen Verkehrsmittel erreichen hingegen einen Anteil von gerade einmal 17 Prozent – ein vergleichsweise geringer Wert für eine Großstadt.

49%

Auto 2018

48%

Auto 2013

17%

ÖPNV 2018

16%

ÖPNV 2013

7%

Fahrrad 2018

5%

Fahrrad 2013

28%

Fußwege 2018

31%

Fußwege 2013

Schulwege: Zulauf für Elterntaxi

Auf den ersten Blick zeigen die Zahlen bei Kindern und Jugendlichen eine positive Entwicklung des Mobilitätsverhaltens. Anders als noch vor fünf Jahren sind sie immer häufiger zu Fuß (Anstieg um 9 Prozent) und mit dem Fahrrad (Anstieg um 3 Prozent) unterwegs. Allerdings wird auch das Elterntaxi immer populärer: Erreichten 2013 noch 25 Prozent der Jugendlichen ihr Ziel auf dem Beifahrersitz, sind es aktuell 34 Prozent. Der ÖPNV verliert hingegen deutlich in dieser Altersgruppe: Der Anteil der Wege, den Schüler mit Bus und Bahn zurückgelegen, sinkt von 44 auf 26 Prozent.

20-Prozent-Ziel? Nur mit CityBahn realistisch

Anders als häufig vermutet, wird das Auto keinesfalls nur genutzt, um weite Strecken zu fahren. Ein Großteil der gefahrenen Distanzen würde sich auch mit dem Bus bewältigen lassen – umweltschonend und klimafreundlich. Denn typische Strecken von Pkw- und ÖPNV-Nutzern sind nahezu gleich. Warum das derzeit noch nicht passiert? Aktuell sind die Busse der ESWE Verkehr zu den Stoßzeiten deutlich überlastet. Deutschlandweit lässt sich beobachten: Nur in Städten mit U- oder Straßenbahnen absolvieren die Bürger mehr als 20 Prozent Ihrer Wege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Über die Studie:

Die Erhebung 2018 umfasste 118 Untersuchungsräume mit 135 Städten. Hierzu gehörte auch das Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, dessen Einwohner im Auftrag des RMV befragt wurden. Die Stadt Wiesbaden und die ESWE Verkehrsgesellschaft mbH haben sich, wie schon 2013, mit einer repräsentativen Stichprobe an der Umfrage beteiligt. Die aufbereiteten Daten standen der Stadt Wiesbaden ab März 2020 für diese Auswertungen zur Verfügung.

Zur Studie