Das Hessische Mobilitätsfördergesetz, das von 2020 an pro Jahr mindestens 100 Mio. Euro für kommunale Verkehrsvorhaben bereitstellt, bildet die Grundlage des Vorhabens. Die Hälfte des Betrags ist für Investitionen in den Bus- und Bahnverkehr reserviert. Mit der gesetzlichen Bindung möchte das Land Hessen den Kommunen Planungssicherheit geben.

Wie Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir am Montag mitteilte, wurde der Stadt Hungen, der Gemeinde Wölfersheim, dem Landkreis Gießen und dem RMV empfohlen, die weitere Planung der Reaktivierung der Horlofftalbahn (Wölfersheim-Hungen) zu veranlassen. Auf dieser Grundlage kann der Rhein-Main-Verkehrsverbund die Planung fördern. Ferner stellt das Land eine finanzielle Beteiligung an den späteren Baukosten der Horlofftalbahn (Wölfersheim-Hungen) in Aussicht. „Wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen, muss der ÖPNV für mehr Menschen als je zuvor attraktiver als das Auto sein. Dazu müssen wir unsere Infrastruktur massiv ausbauen – und das nicht nur in den Ballungszentren“, sagt Prof. Knut Ringat, Geschäftsführer des RMV und Sprecher der Geschäftsführung. „Mit der Reaktivierung der Horlofftalbahn können Fahrgäste aus Hungen bis zu 30 Minuten schneller in Frankfurt sein, und auch die Lumdatalbahn verspricht massive Fahrzeitgewinne. Wir werden beide Strecken bei der Neuausschreibung des Teilnetzes Wetterau berücksichtigen und gehen so einen wichtigen Schritt, um den ländlichen Raum noch besser anzubinden.“

Planungssicherheit für Kommunen

„Damit sind vier Vorhaben in ein konkretes Stadium eingetreten, bei vier weiteren laufen noch Machbarkeitsstudien“, erläuterte der Minister. „Die Landesregierung stärkt den Schienenverkehr als klimafreundliche Alternative zum Individualverkehr. Wir wollen Angebote, die die Straßen entlasten und mehr Passagiere auf die Schiene bringen.“

In Hessen sind in den vergangenen Jahrzehnten über 80 Nebenstrecken stillgelegt worden. In einer ausführlichen Bestandsaufnahme haben das Land und die Verkehrsverbünde diejenigen unter ihnen ermittelt, die für eine Reaktivierung in Frage kommen. „Maßgeblicher Gesichtspunkt ist, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt und dass das Vorhaben den ländlichen Raum stärkt“, sagte Al-Wazir.

Für die 1983 stillgelegte Aartalbahn von Wiesbaden ins rheinland-pfälzische Diez eröffnet die geplante Wiesbadener CityBahn eine Chance zur Teilreaktivierung. „Die CityBahn soll von Bad Schwalbach die Aartalbahntrasse bis zum Stadtgebiet Wiesbaden nutzen und vom nordwestlichen Stadtrand Wiesbadens über die Hochschule Rhein-Main, die Innenstadt und den Hauptbahnhof sowie über die Theodor-Heuss-Brücke nach Mainz führen und ans Mainzer Straßenbahnnetz angeschlossen werden“, erläuterte Jörg Gerhard, Geschäftsführer der Wiesbadener ESWE Verkehrsgesellschaft. „Hiermit wird die länderübergreifende Verbindungsfunktion zwischen den Landeshauptstädten Wiesbaden und Mainz sowie dem Rheingau-Taunus-Kreis deutlich verbessert. Die Infrastrukturkosten des Aartalabschnitts werden auf 70 Mio. Euro geschätzt.“