Ein Interview mit dem Mainzer Busfahrer Michael Beltz

Ein guter Weg sich in die Praxis eines schienengebundenen ÖPNV einzufinden, ist, wenn man sich einfach mal mit einem Profi unterhält. Beispielsweise ein Busfahrer, der den ganzen Tag Personen im Nahverkehr befördert. Am besten zwischen Mainz und Wiesbaden oder rund um Mainz. Im kombinierten Einklang der Mainzelbahn. Die Straßenbahn, die in der Rheinlandpfälzischen Landeshauptstadt zum Verkehrsstandard gehört. Und wenn wir schon dabei sind, dann befragen wir nicht irgendeinen Busfahrer, sondern gleich einen der bekanntesten und beliebtesten on the Road:

Michael Beltz, auch genannt, der „Lolli-Man“, weil er seinen Fahrgästen sehr gerne zum Fahrschein auch noch einen Lolli in die Hand drückt. Warum? Weil es ihm und allen die mitfahren Freude bereitet. Freude bereitet ihm auch das Projekt CityBahn. Wenn es eine direkte Stecke „Mainz-Wiesbaden-Taunusstein“ hin und zurück gibt. Dazu hatten wir folgenden Fragen:

Lieber Michael, Du fährst im gesamten Stadtgebiet Mainz bis Wiesbaden täglich mit dem Bus. Wie ist es so, 2018 durch den Verkehr zu gondeln? Wie kommt man durch? Ist dein Bus immer ausgelastet?

Na klar ist mein Bus auf meinen täglichen Stecken gut ausgelastet. Aber in Verbindung mit der Mainzelbahn, ist es ein entspanntes Fahren. Man spürt schon, dass sie einiges an Fahrgastkapazitäten übernimmt. Insbesondere, wenn eine Linie einmal ausfällt. Dann erhöht sich das Fahrgastaufkommen im Bus dramatisch.

Glaubst du, dass ein schienengebundener ÖPNV im Verkehrsmix einer Stadt generell sinnvoll ist?

Natürlich. Auf den Hauptachsen ist die Mainzelbahn in unserer Landeshauptstadt nicht mehr wegzudenken. Gerade in Stoßzeiten übernimmt sie Kapazitäten, die wir mit den Bussen überhaupt nicht schaffen würden. Der Fahrgast selbst hat dieses Verkehrssystem für sich als feste Größe eingeplant. Autos bleiben zu Hause. Es ist halt im Hinblick auf Verkehr und Parkplätze praktischer.

Also ist der Anteil am ÖPNV hoch und der Mainzer ein Fan von seiner Mainzelbahn?

Das will ich schon meinen. Die großen geräumigen Wagen bieten einfach viel Platz. Die Taktung und die Kombination mit den Bussen bietet jederzeit ein flexibles Fortkommen. Die Preise sind auch ok. Ihr Wiesbadener werdet ja bald wissen, wovon ich hier rede.

Wir in Wiesbaden diskutieren noch herzhaft über das Für & Wider. Was wäre denn für dich das wichtigste Argument, dass die Wiesbadener CityBahn kommen sollte?

Sehr einfach: Kommt jetzt noch die CityBahn, also der schienengebundene Anschluss zwischen unseren Städten, dann brauchen wir weniger Busse. Damit direkt verbunden sind auch weniger Schadstoffe und Abgase in der Luft. Wir sind effizienter unterwegs. Ich glaube sogar, dass viel mehr Menschen dieses Angebot nutzen werden, um nach Mainz oder Wiesbaden zu fahren. Das ist doch fantastisch. Wer heute im Auto unterwegs ist, steht doch nur im Stau und so eine schicke, neue CityBahn auf der Trasse, hat freie Fahrt. Das ist doch ein Gewinn für die Wiesbadener und Mainzer im Verkehr.

Die CityBahn hat hier in Wiesbaden auch Gegner: Ein Argument ist, sie wäre nicht alternativlos. Wie siehst du das als Busfahrer?

Was soll den bitteschön die Alternative sein? Ein Bus? Wer ohne eine Straßenbahn fahren will und nur auf Busse setzt, wird sofort den Kollaps erleben. Bei den Fahrgastzahlen haben wir keinen Platz mehr dafür. Die Busse fahren wie die Autos auf Straßen. Da denkt man sich schnell und kurzsichtig: Dann kann ich doch auch mein Auto nehmen? Und schon haben wir wieder mehr Stau, Abgase, Lärm und eine Lebensqualität, auf die wir mit einer CityBahn oder Mainzelbahn locker verzichten können. Wenn ich genau drüber nachdenke, dann sind die Mainzer in diesem Punkt schon deutlich weiter. Wiesbaden sollte hier kein Fehler machen. Das ist eine große Chance.

Und? Wie sieht es dann mit deinem Arbeitsplatz aus, wirst du dich hierzu umschulen lassen, als Lolli-Man in der CityBahn?

Ich werde mich natürlich hier weiterbilden, d.h. die Fahrlizenz zum Kombi-Fahrer „Bus & Straba“ machen. Wie das mit den Lollis allerdings laufen soll, das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Denn im Bus hat man als Fahrzeugführer einen direkten Kontakt mit den Fahrgästen. In der CityBahn ist das nicht mehr der Fall. Da hat der Fahrer sich noch mehr auf den Verkehr zu konzentrieren. Deshalb sitzt man in einer Kabine. Dennoch: Wo ne CityBahn, da ist auch ein Weg. Und den habe ich bis heute immer noch gefunden.

Lieber Michael, ich danke Dir!

Ich habe mich wirklich auf dieses Interview gefreut. Denn wer so wie er im Verkehrsalltag unterwegs ist, weiß wovon er spricht. Hat eine klare Meinung. Ohne wenn & aber. Personen, Autos, Busse und Mainzelbahn. Michael ist mittendrin und freut sich wirklich darauf, wenn die CityBahn kommt. Das habe ich sofort gemerkt. Für ihn gibt es im Hinblick auf das, was er täglich sieht und erlebt überhaupt keine Alternative. Und wenn ich mal selbst darüber nachdenke: Für mich auch nicht.

Über den Autor: Andreas Rolle, Initiator und Admin der Facebook Gruppe Lust auf Wiesbaden mit über 19.000 Mitgliedern. Im Rahmen dieser Kolumne werden postulierte Fragen, Bedenken und Kommentare der hier aktiven Wiesbadener reflektiert und mit der gegenwärtigen Faktenlage verglichen.