Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main will mit der Straßenbahn Pakete transportieren. Die Logistiktram soll den Lkw-Verkehr in der Innenstadt reduzieren. Die weitere Verteilung übernehmen Kuriere mit Lastenrädern.

Immer mehr Pakete – immer mehr Probleme

42 Pakete empfängt jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich pro Jahr. Die Freude über das neue paar Schuhe oder den spannenden Roman ist meist groß – zumindest beim Empfänger. Für die Anwohner, Autofahrer und Radfahrer sind die Lieferfahrzeuge hingegen häufig ein Ärgernis. Schließlich parken die Boten ihre Fahrzeuge nicht selten in der zweiten Reihe und blockieren den rechten Fahrstreifen oder den Radweg. Auch im Hinblick auf Luft- und Lärmemissionen sorgen die Lieferfahrten für Unmut. Deshalb ist der klimafreundliche Transport von Waren in Großstädten ein wichtiges und zukunftsweisendes Thema. Wie ein solcher Transport unter Einbeziehung der Straßenbahn möglich sein kann, zeigt das Projekt Logistiktram.

Erfolgreiche Versuchsphase

Im Laufe des Sommers 2018 haben die Stadt Frankfurt am Main, die House of Logistics & Mobililty GmbH (HOLM), die Frankfurt University of Applied Sciences (UAS), die IHK Frankfurt am Main, das Klima-Bündnis und die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) das Konzept für eine Pilotphase der Logistiktram entwickelt. Im Frühjahr 2019 testete die VGF erstmals das System. Während der Pilotphase beförderten Trambahnen Pakete als Sonderfahrten an sogenannte City-Hubs – Zwischenlager im Stadtraum, in denen Sendungen für die direkte Umgebung deponiert wurden. Die mobilen Depots wurden im Rahmen des Projekts entwickelt und beinhalten mehrere herausziehbare Logistikboxen. Sie wurden temporär an definierten Stellen entlang der Tramlinie abgestellt und nach wenigen Stunden wieder mitgenommen – die Sendungen wurden in der Zwischenzeit mit Lastenrädern an die umliegenden Haushalte verteilt. Um den regulären Fahrplan nicht zu beeinträchtigen, erfolgten den Fahrten abseits der Stoßzeiten.

Sollte das Projekt flächendeckend umgesetzt werden, müssten große Zustellfahrzeuge künftig nicht mehr bis vor die Haustüren fahren, denn die Logistiktram kann die Stadtteile klimafreundlich sowie separat vom Individualverkehr beliefern.

Ausgezeichnet: Logistiktram erhält „Beste Idee“-Preis

Vom gemeinnützigen Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene e. V. erhielt die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Silke Höhl im Herbst 2019 für Ihre Forschungsarbeit am Projekt den Innovationspreis „Beste Idee 2019“. An der an der Frankfurt University of Applied forscht die 32-Jährige mit Prof. Dr.-Ing. Petra K. Schäfer und dem Team des Research Lab for Urban Transport (ReLUT) an Konzepten, um die Paketzustellung in Innenstädten durch den Transport mit U- und Straßenbahnen und die Auslieferung über Lastenräder umweltfreundlicher zu gestalten.