Es sollte ein Vorzeigeprojekt werden: Ein 11 Kilometer langes Schnellbus-System für Ludwigsburg – der erste „Bus Rapid Transit“ deutschlandweit. Jetzt hat sich die Stadt nach monatelanger Planung von ihren Spurbus-Plänen abgewandt, die Realisierung einer Stadtbahn wird somit immer wahrscheinlicher.

Die einstige Vision: Moderne Mobilität ohne Gleise und Fahrdraht

Ludwigsburg wollte die erste Stadt in Deutschland sein, die mit einem Bus-Rapid-Transit-System (BRT-System) die Mobilität revolutioniert. Moderne Schnellbusse sollten die Stadt Ludwigsburg mit dem Umland verbinden.

Dank BRT-Bussen, eigens für sie konzipierten Spuren und konsequenter Bevorrechtigung bei Ampelschaltungen, sollten Fahrgäste auch bei erhöhtem Verkehrsaufkommen in Ludwigsburg und Umgebung pünktlich ihr Ziel erreichen. Barrierefreie Haltestellen und eine neue Infrastruktur für Radfahrer sollten die Attraktivität des Systems zusätzlich steigern. Der Antrag auf Programmaufnahme in das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG), damit das BRT-Netz durch das Land Baden-Württemberg gefördert werden kann, wurde gestellt und abgesegnet, bereits im Herbst 2020 sollen die ersten BRT-Busse durch die Stadt fahren – doch jetzt ist alles anders.

“Wir wollen nicht diese massiven Busse in der Stadt, die aus Frankreich importiert werden.”

Dr. Matthias KnechtOberbürgermeister von Ludwigsburg

Straßenbahn statt Spurbus

Matthias Knecht, neuer Ludwigsburger Oberbürgermeister strich die BRT-Pläne von der Agenda und setzt stattdessen auf Umweltspuren, die bereits in vielen deutschen Städten Bussen und Fahrrädern freie Fahrt gewähren. Die Entscheidung rückt die Realisierung einer Stadtbahn erneut in den Fokus.

Neben dem Landkreis fordert auch ein Aktionsbündnis von BUND, VCD und ADFC eine Niederflurstadtbahn, die die den Verkehr in Ludwigsburg nachhaltig entlasten soll. Das Ziel: Ludwigsburg nicht nur als innenstadtferne Durchgangsstation für den Landkreis dienen, sondern selbst von einem Stadtbahnsystem profitieren. Sie soll den zentralen Bestandteil eines zukunftsfähigen und nachhaltigen Gesamtverkehrskonzeptes für Stadt und Landkreis bilden.

“Wir mussten zwar die anstehende Lenkungsgruppen-Sitzung vertagen, aber ich bin mit Oberbürgermeister Matthias Knecht in regelmäßigem Austausch, und wir bereiten trotz allem die Satzung vor, damit wir noch in diesem Jahr den Stadtbahn-Zweckverband gründen können. ”

Dietmar Allgaier Landrat Kreis Ludwigsburg

Ludwigsburg ist nicht die erste Stadt, die Spurbusse gegen Trams eintauscht.

Bereits seit 2002 sind Tramways sur Pneus – die sogenannte „Straßenbahn auf Gummireifen“ durch die französische Stadt Caen. Im Juli 2019 wurde der Spurbus durch eine Straßenbahn ausgetaucht: Grund dafür waren Pannenanfälligkeit und Kapazitätsprobleme. Mittlerweile verkehren drei Linien im 10-Minuten-Takt und ermöglichen somit im Stadtzentrum einen 3-Minuten-Takt. Erste Fahrgastprognosen gehen davon aus, dass sich die Fahrgastzahlen von bislang 42.000 Fahrgästen täglich auf 64.000 Fahrgäste erhöhen.

Auch Wiesbadener Mobilitätsleitbild sieht Straßenbahn vor BRT

Die Gutachter des Wiesbadener Mobilitätleitbilds bestätigen die Überlegenheit der Straßenbahn. Zwar haben Bus-Rapid-Transit-Systeme (z. B.: Spurbus, Schnellbus) den Experten zufolge einige Vorteile, verbinden jedoch „den Infrastrukturbedarf für eine Straßenbahn mit den Nachteilen des Omnibusses.“

Headergrafik: sshutterstock / Nuttaphong Kanchanachaya