Unmittelbar nachdem die Stadtparlamente von Bad Schwalbach und Taunusstein Anfang April die Beteiligung an den Kosten für die Vorplanung der CityBahn beschlossen hatten, fiel der Startschuss für die Vorplanung des Streckenabschnitts im Rheingau-Taunus-Kreis (RTK). Im Interview erklärt Verkehrsdezernent und CityBahn-Geschäftsführer Günter F. Döring, warum die Schienenanbindung für den Kreis so wichtig ist und welche Herausforderungen der Anschluss an die Planung stellt.

Wiesbaden, Mainz und der RTK werden auch in den kommenden Jahren weiterwachsen. Viele Kommunen entwickeln aktuell neue Wohngebiete, was wiederum einen Anstieg der Mobilitätsnachfrage zur Folge hat. Eine moderne CityBahn soll verhindern, dass die Region im Stau versinkt: Auf der stillgelegten Aartaltrasse soll sie die vielen Einpendler in die Landeshauptstädte befördern. Damit das Projekt auch im RTK Fahrt aufnimmt, lud die Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft (RTV) Anfang April Vertreter der Städte Taunusstein, Bad Schwalbach und Wiesbaden, von der Nassauischen Touristikbahn (NTB), von städtischen wie Kreis-Ämtern sowie Projektentwicklern der beteiligten Ingenieurbüros zu einem Meinungsaustausch ein. RTK-Verkehrsdezernent und CityBahn-Geschäftsführer Günter F. Döring stand uns im Anschluss Rede und Antwort.

 

Das Stadtparlament Bad Schwalbach hat kürzlich die Beteiligung an den Kosten der Vorplanung beschlossen. Was verspricht sich der Kreis vom Bau der CityBahn?

Die Kommunen im Kreis erhalten durch den Bau der CityBahn endlich wieder den Schienenanschluss bis nach Wiesbaden, den sie seit der Stilllegung der Aartalbahn schmerzhaft vermissen. Die Anbindung des Kreises stärkt die lokale Wirtschaft, das Gewerbe und die Siedlungsentwicklung. Aber auch für die rund 22.500 Menschen, die im Kreis leben und täglich in die Landeshauptstädte pendeln, ist die CityBahn eine echte Bereicherung: Sie erhalten eine umsteigefreie Verbindung bis ins Mainzer Straßenbahnnetz und an zentrale Umsteigepunkte, beispielsweise in Richtung Frankfurt.

Die Vorplanung steht in den Startlöchern. Wann legen die Planer los, welche Besonderheiten gilt es während der Planung zu berücksichtigen und wann dürfen wir mit ersten Ergebnissen rechnen?

Der Auftrag für die Vorplanung wurde vor einigen Wochen eingereicht, die Planer haben die Arbeit bereits aufgenommen – Vorplanungsergebnisse erwarten wir zum Ende des Jahres. Im ersten Schritt werden zunächst die Grundlagen ermittelt und alle wichtigen Informationen eingeholt. Sicherlich müssen wir im weiteren Verlauf der Planung einige Hürden nehmen, schließlich verläuft die geplante Linienführung auf der stillgelegten Aartaltrasse und die ist nicht nur denkmalgeschützt, sondern durchquert auch Wald- und Wasserschutzgebiete. Deshalb haben wir uns frühzeitig mit den zuständigen Behörden in Verbindung gesetzt und ihnen unser Vorhaben vorgestellt. Dabei haben wir auch um eine konstruktive Mitarbeit gebeten, denn in puncto Genehmigungen sind wir natürlich auf das Mitwirken der Behörden angewiesen. Damit alles reibungslos abläuft, plant der Kreis, gemeinsam mit den Anliegerkommunen die Aartaltrasse zu erwerben – aktueller Eigentümer ist die Deutsche Bahn.

In den beiden Landeshauptstädten gab es begleitend zu der Vorplanung einen umfangreichen Bürgerdialog. Werden die Bürger im RTK ebenfalls an den Planungen beteiligt?

Sobald die Grundlagen vorliegen, werden auch wir von der Informations- auf die Dialogebene wechseln und das Projekt in die Kommunen tragen. Im Gegensatz zur Beteiligung in den beiden Landeshauptstädten stehen in unserem Planungsbereich die Linienführung über die Aartaltrasse sowie die Lagen der Haltestellen bereits fest: Über den Schmidtbergplatz und den Busbahnhof Bad Schwalbach geht es zum ZOB Hahn und von dort aus nach Taunusstein. Einen intensiveren Dialog erwarten wir dementsprechend zur Integration in das Stadtbild von Bad Schwalbach sowie zur Anbindung der Pendlerströme aus dem gesamten Kreis. Hier werden wir gemeinsam mit den Pendlern eine moderne Park-and-ride-Lösung erarbeiten. Bei der Auswahl geeigneter Dialogformate orientieren wir uns an den erfolgreichen Bürgerbeteiligungen in den Landeshauptstädten.

Zur Person

Günter F. Döring leitet das Dezernat „Verkehr – Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft (RTV)“ und ist für Angelegenheiten rund um den öffentlichen Personnennahverkehr im RTK zuständig. Zudem sitzt er im Aufsichtsrat des RMV. Seit dem Beitritt des RTK zur Gesellschaft der CityBahn GmbH ist Günter F. Döring auch als CityBahn-Geschäftsführer tätig.