Warum kennen wir die Linienführung in Wiesbaden noch nicht komplett , weshalb werden in Taunusstein und Bad Schwalbach Tiere gezählt und wieso ruht die Planung in Mainz? Im Planungsprozess zum Bau der CityBahn gelingt Gesamtprojektleiter Kai Mumme der Spagat zwischen Baugrund und Bürgerwunsch.

Hallo Herr Mumme, wir beginnen direkt mit der offensichtlichsten Frage: Wie ist der Stand der Planung bei der CityBahn?

Kai Mumme: Das lässt sich leider nicht so allgemein formulieren, denn wir betrachten insgesamt vier Planungsabschnitte, von denen jeder einen eigenen Planungsstand hat. In Mainz sind wir am Ende der Vorplanung – unsere favorisierte Linie führt über die Große Bleiche. Damit wir weiterplanen können, benötigen wir noch grünes Licht von der Politik und das wird es leider erst nach dem Bürgerentscheid in Wiesbaden geben. In Wiesbaden sind wir deutlich weiter, wir bereiten dort aktuell die Unterlagen für die Planfestellung vor.

Darin wird genau beschrieben, wo wir langfahren möchten, wo sich Haltestellen befinden und welche Auswirkungen die CityBahn auf den Verkehrsraum hat. Einen Kurzbericht zur Planfestellung haben wir der Stadtverordnetenversammlung bereits vorgelegt.

Und im Rheingau-Taunus-Kreis?

Kai Mumme: Moment – dazwischen liegt noch der dritte Planungsabschnitt. Er beginnt hinter der Hochschule RheinMain und führt bis an die Aartalbahn. Für diese Strecke bereiten wir die Vorstellung der Varianten bei Ortsbeiräten von Klarenthal und Dotzheim vor – im Anschluss stellen wir sie der Öffentlichkeit auf Infomessen vor.

Im Rheingau-Taunus-Kreis befinden wir uns in der Vorplanung, diese ist bereits weit fortgeschritten und soll Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Auf der Aartalstrecke laufen also momentan die intensivsten Planungen. Was beschäftigt Sie dort zurzeit?

Kai Mumme: Bei den Planungsprozessen rund um die CityBahn müssen unterschiedlichste Anforderungen und Voraussetzungen berücksichtigt werden – so beispielsweise auch bei den Planungen zur Reaktivierung eines Teils der Aartalstrecke. Aktuell liegt hier eine Normalspur, die in der Vergangenheit von der Deutschen Bahn und später im Zuge des Museumsbahnbetriebs von der Nassauischen Touristik-Bahn e.V. genutzt wurde. Mit der CityBahn sind wir aber auf einer Meterspur unterwegs, damit der Anschluss an das Mainzer Netz möglich ist. Deswegen prüfen wir den Umbau der Trasse unter umwelt- und sicherheitsbezogenen sowie bautechnischen Gesichtspunkten.

Da wir die CityBahn auf der Aartalstrecke eingleisig planen, müssen wir außerdem Ausweichstrecken einplanen, auf denen Züge aneinander vorbeifahren können. Gleichzeitig müssen wir überprüfen, ob Brücken tragfähig sind und uns die Bahnübergänge der Strecke anschauen: Wo kreuzen sich die Schienen mit Straßen, Radwegen oder Fußgängerwegen und wie können diese Bereiche gesichert werden?

Sie fahren dort ja mitten durch den Wald. Da müssen Sie rechts und links des Gleises ganz genau hinschauen, oder?

Kai Mumme: Das ist richtig. Deshalb stehen wir auch im engen Austausch mit den Umweltbehörden. Innerhalb eines festgelegten Radius entlang der Strecke werden Flora und Fauna kartiert: Hier halten Experten fest, welche Pflanzen und Tierarten es entlang der geplanten Linienführung gibt. Dabei finden nicht nur stichprobenartige Untersuchungen statt, sondern es werden unterschiedliche Vegetationsperioden, Brut- und Tageszeiten betrachtet. Wenn die Untersuchung abgeschlossen ist – vermutlich zwischen Ende 2020 und Mitte 2021 – wird es einen Abschlussbericht geben. Diesen besprechen wir dann mit den Umweltbehörden.

Da an der Trasse außerdem ein Wasserschutzgebiet liegt, tauschen wir uns seit einiger Zeit mit der Wasserbehörde aus. Damit wir gegenüber der Behörde verlässliche Aussagen treffen und die Baumaßnahmen bewerten können, müssen wir wissen, ob wir beispielsweise nur kleinere Arbeiten am Gleisbett vornehmen müssen oder weitreichende Maßnahmen erforderlich sind. Deshalb finden derzeit Baugrunduntersuchungen auf der Strecke statt.

Neben Behörden haben Sie auch den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern gesucht, richtig?

Kai Mumme: Wir haben nicht nur den Dialog gesucht – die Anregungen aus der Öffentlichkeit flossen sogar an mehreren Stellen in die Planung der CityBahn ein: So forderten Ortsbeirat und Bürger in Biebrich eine zentrale Anbindung des Stadtteils, weshalb die erste Vorschlagsvariante über die Kasteler Straße verworfen wurde. Jetzt verläuft die Linie über Rathenauplatz, Stettiner Straße und Straße der Republik bis zum Herzogsplatz. Zudem haben wir die von vielen Bürgern an uns herangetragene Anregung zur Einrichtung einer weiteren Biebricher Haltestelle an der Ecke Stettiner Straße/ Adolf-Todt-Straße in Nähe des Rheinufers aufgegriffen. Auch wenn wir natürlich nicht jeden einzelnen Bürgerwunsch umsetzen können, gehen wir bei der Planung soweit wie möglich auf Anregungen der Öffentlichkeit ein.

Wie sind Sie denn auf die Menschen zugegangen?

Kai Mumme: Bürgerinnen, Bürger und Ortsbeiräte werden in unterschiedlichen Dialogformaten in die Planung einbezogen. Wir wollen ganz verschiedene Zugänge schaffen, um möglichst viele Menschen mitzunehmen. Die Vorplanung haben wir Mainzern und Wiesbadenern auf Infomessen vorgestellt – in Klarenthal, Dotzheim, Taunusstein und Bad Schwalbach sind weitere geplant. Regelmäßig gibt es neue Informationen im Blog und grundlegende Fakten auf der Website, die ebenfalls über einen OnlineDialog diskutiert werden. Seit diesem Sommer führen wir zudem viele Gespräche über unsere neuen Social-Media-Kanäle und schon bald soll auch die DialogBox wieder entlang der geplanten Linie Station machen.

Kai Mumme

Gesamtprojektleiter der CityBahn

Als Gesamtprojektleiter der CityBahn bildet Kai Mumme seit März 2019 die Schnittstelle zwischen den Gesellschaftern und politischen Ebenen im Projekt. Er ist für alle Themen innerhalb des Projekts zuständig und behält den Überblick über Termine, Meilensteine, Zielsetzungen, Kosten, Planungen, Qualitäten sowie die Lösung von technischen und formalen Herausforderungen. Auch wenn es für die einzelnen Teilgebiete Kollegen und Kolleginnen gibt, die sich detailliert mit den einzelnen Themenfeldern befassen, laufen die Fäden bei ihm zusammen.