Die Ringkirche gehört zu den kunstgeschichtlich wichtigsten Kirchbauten des 19. Jahrhunderts. Im Zuge des CityBahn-Baus soll der Platz um das Gebäude verkehrsberuhigt werden. Im Interview verrät uns Ralf-Andreas Gmelin, Pfarrer der Ringkirchengemeinde, was er von diesen Plänen hält.

Mit welchem Verkehrsmittel sind Sie zu Ihrem letzten Sonntagsgottesdienst gefahren?
Da ich direkt neben der Ringkirche wohne, gehe ich diesen Weg immer zu Fuß.

Sie haben vor einigen Jahren Ihren Motorradführerschein gemacht. Unter welchen Bedingungen würden Sie Ihre Maschine für die alltäglichen Wege stehen lassen und auf den ÖPNV umsteigen?
Mein Motorroller ist im Kurzstreckeneinsatz unschlagbar schnell. Aber bei weiteren Zielen wünscht man sich unter dem Helm vor allem im Winter Heizung und/oder Dach. Da wäre mir eine CityBahn sehr naheliegend – zugegebenermaßen auch darum, weil der eine Plan vorsieht, dass sie direkt vor der Ringkirche halten könnte.

Wenn es nach den Planern von Stadt und CityBahn GmbH sowie vielen Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern geht, soll der Platz rund um die Ringkirche künftig verkehrsberuhigt sein. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von den Plänen gehört haben?
Toll! Wir wissen, dass angesichts der Verkehrssituation in der Landdeshauptstadt kaum Chancen bestehen, die Ringkirche von ihrer autoumbrausten Insel zu befreien. Die Citybahn würde das möglich machen und wäre zugleich auch eine Achse, die unser Gemeindegebiet zusammenführen würde, das ja beinahe bis zur Hochschule Rhein Main reicht.

Wie stehen Sie als Pfarrer der Ringkirchengemeinde zu dieser Idee? Welche Chancen sehen Sie für Ihre Gemeinde und die Anwohner der Ringkirche?
Ich sehe in der Citybahn eine sehr sympathische Umsetzung der Wünsche an die Stadt von Morgen: Weniger Verbrennungsmotoren, mehr Kapazitäten im ÖPNV und größere Betriebssicherheit des Schienenfahrzeugs gegenüber akkugetriebenen Bussen. Da die Ringkirche keinerlei Parkplätze besitzt, wird es für manchen weiter weg lebenden Christen leichter, sie zu erreichen. Wenn die Citybahn ein Erfolg wird, ist sie auch ein Beitrag zu besserer Atemluft, die wir als Anrainer der gegenwärtigen Kreuzung nur als katastrophal bezeichnen können.

Wie wichtig ist die Anbindung der Ringkirche für Ihre Gemeinde?
Wir werden da nicht das Zünglein an der Waage sein; aber wenn die Citybahn gebaut wird, fände ich den Trassenverlauf über die Ringkirche sehr naheliegend. Die Ringkirche steht seit fast 124 Jahren ohne Citybahn in der Stadt. Aber sie würde durch die Bahn erreichbarer und auch städtebaulich aufgewertet.

In einem Interview mit dem Wiesbadener Kurier haben Sie angegeben, dass Ihnen jeder öffentliche Konsens verdächtig ist. Wie beurteilen Sie die Diskussion zum Projekt CityBahn?
Mir fiel vor allem auf, dass unabhängig von z.B. der Parteizugehörigkeit Menschen sehr unterschiedliche Einstellungen zum Projekt Citybahn haben. Das darf bei einem Projekt dieser Größe zunächst auch durchaus so sein. Entscheidend finde ich, dass der öffentliche Diskurs nicht zum völligen Stillstand führt, dass aber die durch ihn angeführten Sachargumente ernstgenommen und – wo möglich – planerisch berücksichtigt werden.

Zur Person: Ralf-Andreas Gmelin studierte evangelische Theologie, Sozialwissenschaften und Germanistik. Nach dem Vikariat an der Lutherkirche Wiesbaden arbeitete er als Pfarrer in Oberursel, sowie als Redakteur der Evangelischen Kirchenzeitung in Frankfurt. Seit 2001 ist er Pfarrer der Evangelischen Ringkirchengemeinde.