Und wiedermal haben wir ein außerordentliches Ausmaß an weitläufigen Meinungen und weniger bestätigte Fakten vorliegen. Die „arme Biebricher Allee“, der gute Baumbestand muss angeblich weichen. Kahlschlag. Panik macht sich breit. Bürger, die Anrainer und Hausbesitzer sind entsetzt. Drum markieren sie ihre schwarminspirierte Angst mit schreienden Bannern, um ihr NEIN ZUR CITYBAHN an allen Zäunen selbstbewusst anzuprangern. Dabei werden sie tatkräftig von der BI Mitbestimmung CityBahn informiert. Jene Initiative, die sie nicht nur mit vorausahnenden Fakten versorgt, sondern mit laufend neuen Ängsten und eben diesen Bannern. Nur was ist, wenn das alles nicht stimmt? Huch?!

Wenn sich das „bannende“ Engagement an der Biebricher dahingehend herausstellt, dass am Ende mehr Banner hängen, als Bäume gefällt werden. Ist dann dieser Energieverlust durch übertriebenes Aufregen noch en vogue? Nun, jetzt ist es offensichtlich. Aber egal! Wie immer empfehle ich mir mit kühlem Kopf vorauszuschauen und vor allem, in diesem Projektverlauf genau hinzuschauen. Wo stehen wir gerade? Was gibt’s neues in der Planung? Speziell auch in Abstimmung mit den vielen Bürger-Inputs aus den Info-Messen zur CityBahn? Je tiefer man in die Faktenlage und Faktenerarbeitungen vordringt, desto mehr erkennt man: Hier sind tatsächlich Profis am Werk, die in allen Belangen dafür arbeiten, dass der Wiesbadener sein JA ZUR CITYBAHN abgibt und nicht sein NEIN aus der reinen Befürchtung oder sonstigen Motivation heraus beibehalten muss.

Mehr Banner als fallende Bäume

„Ich bin beispielsweise mit Dr. Martin Pächer und Uwe Hiltmann von der CityBahn die Strecke abgefahren, um mit ihnen den anstehenden, vermeintlich „gnadenlosen“ Baumschlag zu erörtern. Sie sprachen. Ich hörte zu und erfuhr, dass man nach dem gegenwärtigen Planungsstand eher wenig Bäume fällen muss. Denn es gibt tatsächlich die Möglichkeit, Baumbestände an einem Teil der Haltestellen zu integrieren. Allerdings gibt es auch Zwänge, nicht ohne Baumfällarbeiten auszukommen. Denn an den neuralgischen Verkehrs- & Haltepunkten von Herzogsplatz/Tankstelle, Haltestelle Theodor-Heuss-Ring/Sportpark Rheinhöhe sowie runter vor dem 1. Ring sprechen wir davon, künftig auf rund 60 Bäume verzichten zu müssen. 60 Bäume, von über 400 Bäumen entlang der gesamten Biebricher Allee. Das sind nach aktueller Planung rund 15 % Schwund sowie am Ende des Tages wenig Grund aufgrund irgendwelcher fehlender „Lücken an Grün“ dagegen zu sein.

Und übrigens: Zur Verbreiterung der Kasteler Straße am Herzogsplatz wurden erst kürzlich über 20 Bäume auf einer wesentlich kürzeren Strecke gefällt … das hat aber offensichtlich niemanden interessiert, denn da soll die CityBahn ja nicht langfahren.

Biebricher aufgepasst: Es wird ne richtig schicke Allee!

Antiquiert? Platz- & Verkehrsflächen-verschlingend? Ernsthaft? Stellt euch vor, die meisten Bäume stehen noch. Dazu fahren in der Mitte der Biebricher Allee zwei CityBahnen jeweils hoch und runter auf einer begrünten Trasse. Stoppen an modernsten Haltestellen, vielleicht mit WLAN?! Daneben, nur noch einbahnige Autospuren, die dem Individual-Verkehr empfehlen, eine andere Strecke ins oder aus dem Städtchen heraus zu nehmen, weil es dort fließender ist. Ergo: Weniger Autos. Weniger Abgase. Weniger Lärm. Cool!

Weiter oben ist der Sportpark Rheinhöhe. Wieder ein neuer, superattraktiver place to be in der Stadt, der sich praktisch dieser neuen Stadt- & Verkehrsplanung anschließt. Leicht mit der CityBahn erreichbar. Und wer gerne im illustren Biebrich selbst mal eben ausgehen möchte, der steigt einfach ein. Sucht nicht Parkplätze, wo es aufgrund der vielen Fahrzeuge eh keine mehr gibt. Darf auch ordentlich am Weinprobierstand aahner kippen. Denn auf sanftem Gleise geht’s gesellig übers neue „Green“ wieder zurück. Apropos „Green“…

Wer fällt, steht halt wieder auf

Genau! Erinnert euch doch bei all dem Gezeter hier ans Bowling Green. Die Platanen. Wie wir uns damals aufregten, als sie gefällt werden mussten. Heute kräht kein Papagei mehr danach. Nee, sie pfeifen auf neuen Bäumen weilend fröhlich daher. Unter ihnen: parkähnliche Wege. Darunter wiederum: Eine geräumige, top moderne Parkgarage für viele, viele Wiesbadener. Und die Anmutung: Ei mindestens so geil wie das neue RMCC, was jetzt auch alle so schick finden. Kommt Leute, lasst uns kritisch sein, doch gleichzeitig auch zuversichtlich, dass wir unser Wiesbaden fantastisch in Richtung Zukunft entwickeln. Alles andere ist die Verteidigung einer Komfort Zone, d.h. wer sie nicht verlässt, wird nie erfahren, wie zauberhaft die Welt da draußen sein kann.

Let’s do it!

Über den Autor: Andreas Rolle, Initiator und Admin der Facebook Gruppe Lust auf Wiesbaden mit über 19.000 Mitgliedern. Im Rahmen dieser Kolumne werden postulierte Fragen, Bedenken und Kommentare der hier aktiven Wiesbadener reflektiert und mit der gegenwärtigen Faktenlage verglichen.