DIESELVERBOT – REDEN WIR NICHT DRUM RUM, WIR TRAGEN DIE VERANTWORTUNG!

Mit dem Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in unseren Städten wird es ab April höchst interessant. Ab der Abgasnorm Euro 4 und schlechter drohen Fahrverbote. Auch Euro 5 Diesel können mit einer Übergangsfrist ab 2019 mit Einschränkungen und Fahrverboten belegt werden. Anders hingegen hat man mit der neuen Dieselgeneration Euro 6 vorerst „noch“ nichts zu befürchten. Gut so, denkt sich jener, der gerade einen neuen Diesel fährt. Alle anderen fragen sich, ob es wirklich ist oder ein schlechter Traum. Haben sie doch mit bestem Bewusstsein der Autoindustrie nebst Staat vertraut, dass sie alles richtigmachen. Der Autofahrer als letztes Glied der Kette zahlt die Zeche und kauft sich so auch irgendwie seiner Verantwortung frei. Denkt er. Denn wie man sieht, ist, seit dem Urteil ist nichts mehr so, wie es war. Grund für Panik oder Entspannung? Tja, wenn man Sven Gerich und Andreas Kowol sieht, was sie gerade als Programm beschlossen haben, damit das Wiesbadener Verwaltungsgericht sich nicht zu pauschalen Fahrverboten hinreißen lässt, dann dürfte der Ernst der Lage jedem klar sein: Ganz gleich welche Motivation beide Politiker hatten, sie haben nicht weiter gewartet, sondern sofort gehandelt. Das sagt einiges.

WORUM GEHT’S HIER EIGENTLICH?

Genau diese Frage sollten wir uns alle stellen. Es geht nämlich nicht, um ein ideologisches PKW Bashing, sondern um die ökologisch saubere Zukunft unseres Landes und unserer Stadt. Die Richter stellen den Gesundheitsschutz über dem, des Eigentums. Schnell wird klar, dass nicht nur Politik und Industrie, sondern auch die Autofahrer nicht das beste Blatt auf der Hand haben.  Da kann man sich beschweren oder gar klagen, nur ändert es nichts an der Tatsache, dass wir alle begreifen müssen: Es muss sich einfach was ändern.

WER HAT DIE VERANTWORTUNG?

Ob es Diesel sind oder wie seit neustem auch zu hören, alte Benziner. Emissionen wie Stickoxide, Feinstaub usw. belasten oberflächlich betrachtet unsere Umwelt. Schauen wir aber im Speziellen hin, dann sind WIR die Umwelt. WIR sind in Gefahr, weil WIR eine Luft zum Atmen bevorzugen, die eben keine teils schweren Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen. WIR wollen eine gesunde Zukunft. Und auch wenn der Dieselfahrer dieser Tage wie ein Opfer klingt. Er ist ein Täter, dem wir aufgrund der sehr komplexen Umstände noch vergeben, doch langfristig in die Haftung nehmen müssen. Aber nicht allein: Ihm werden weitere krankmachende Luftverschmutzer Schritt für Schritt folgen. Wie? Das haben die Richter offengelassen, damit diese Verantwortung für alle spürbar bleibt. Ziemlich schlau!

WIE JETZT? DIE AUTOFAHRER MÜSSEN ALLEIN DRAN GLAUBEN?

Nein. Mit dem Dieselfahrverbot und weiteren Sanktionen gegen den emissionsgefährlichen Individualverkehr ist das ganze System im Fokus. Die Hersteller sind mitnichten entlassen, das Problem nur mit Software-Updates vom Tisch zu bekommen. Allein der Absatz zeigt, dass dieser Markt mit über 20% Einbußen einbricht. Die Mogeleien aller großen Konzerne führen zu einem unglaublichen Vertrauensverlust, d.h. wenn der Deutsche merkt, dass er für dieses Hintergehen bezahlen muss, dann hat das Konsequenzen. Beim Geld hört auch die innigste Liebe und Freundschaft auf. Auch wenn die Auto-Lobby stark ist. Der Autofahrer wird sich schon zurückholen, was er draufgelegt hat. Politik, Hersteller, nebst meinungsmachende Vasallen, wenn Ihr in ein Wespennest stechen wollt, zieht euch dick an. Die Nummer wird allen weh tun!

IN WIESBADEN WARTEN WIR NICHT – WIR HANDELN OFFENSICHTLICH!

Nicht nur, weil wir einen emissionsfreien ÖPNV in Spe an den Start bringen wollen. Mit CityBahn, Elektro-Bussen, -Kfz oder Bikes etc. ist etwas auf den Weg gebracht, das in nicht mehr all zu langer Zeit das Thema „Dieselverbot & Co.“ ignorieren darf. Wir haben dann Alternativen. Nur der Weg dorthin wird nicht einfach. Wir müssen Hürden nehmen und demnach heute anfangen. Auch, weil das Verwaltungsgericht, wie eingangs erwähnt, ein sofortiges Einschreiten erfordert. Es beeindruckt dann um so mehr, wenn unserer Lokalpolitiker kurz nach der gerichtlichen Handlungsaufforderung „April 2018“ sofort einen Maßnahmenplan auf den Tisch legen können. Was besagt: Sie waren sensibilisiert und sind jetzt vorbereitet. Oberstes Ziel laut unserem Oberbürgermeister: Auf vorläufige Fahrverbote möglichst noch zu verzichten, um günstigere Übergänge für die Besitzer alter Dieselfahrzeuge zu schaffen. Evtl. kann man die „schlechte Luft“ in der Stadt mit Verkehrs- und Emissionsoptimierungen erstmal in den Griff bekommen. Kurzfristig gut gemeint. Doch ist es keine Lösung von Dauer.

KOMM LASST UNS UMDENKEN. IST DOCH COOL!

Nutzen wir doch die Chance, dass uns die Politik und die Gesetzgebung entgegenkommt. Überlegen wir aus unserer heutigen Verantwortung heraus, was wir tun müssen, um morgen entspannt zu sein. Brauchen wir die PS- und CO2 Monster? Wo kann man auf Öffentliche umsteigen? Sollte man nicht – wenn schon Individualverkehr – auf attraktive Alternativen wie Erdgas oder Elektro-Antriebe umsatteln? Ist es nicht cooler, angesagter, fantastisch en vogue, wenn zu den Smart-People in der Stadt gehören, weil sie sich mehr und mehr clever für die Zukunft unserer Stadt einbringen? Ich denke, hier gibt es neue Werte zu verteilen, die jedem gefallen dürften. Maßgeblich, mit besten Grüßen an die Politik und unsere ÖPNV Institutionen, ist dabei: Unser ökologischer Weg nach vorne muss sich absolut jeder leisten können. Die Elite wird nicht vom Geld, sondern von ihrer ökologischen Mitwirkung bestimmt. Dann tragen auch gerne alle die Verantwortung!

Andreas Rolle – Initiator von Lust auf Wiesbaden

Über den Autor: Andreas Rolle, Initiator und Admin der Facebook Gruppe Lust auf Wiesbaden mit über 16.000 Mitgliedern. Im Rahmen dieser Kolumne werden postulierte Fragen, Bedenken und Kommentare der hier aktiven Wiesbadener reflektiert und mit der gegenwärtigen Faktenlage verglichen.