Mainz bleibt nicht Mainz! Wie immer wird auch weiterhin gesungen und gelacht. Nur jetzt auch aus Richtung unserer Landeshauptstadt mit besten Grüßen zurück. Denn der Zusammenschluss der Verkehrsgesellschaften von Mainz und Wiesbaden für ein gemeinsames CityBahn-Projekt eröffnet viele Optionen für neue Synergien und Lebensqualitäten.

Warum? Ganz einfach: Lassen wir doch mal die üblichen Grenzbezüge von Rhein bzw. den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz außenvor. Nehmen wir die Brücken als verbindendes Element dazu. Zudem eine Trasse, die von A über diese Brücke nach B nahezu über 34 km Strecke von Lerchenberg bis Taunusstein anbietet. Hey, dann werden fast 500.000 Menschen auch ihre eigenen Möglichkeiten an und rund um diese Verbindung neu erkennen. Man ist schneller, stauloser, effizienter unterwegs. Könnte Bereiche anfahren, die man bislang aufgrund der Verkehrsdichte gemieden hat. Erlebt über die weiterführenden Verästelungen von der Bahnstecke weg, via Elektro-Bus, Car- & Bike-Sharing oder auch autonome Systeme eine Region, die sich gerade in allen Belangen neu erfindet.

Adé du liebe Bahn?

Bedingt! Als 1955 die letzte Tram von Mainz nach Wiesbaden fuhr, dann hatte die Einstellung der Straßenbahn einen wesentlichen Grund. Es gab noch nicht so viele Autos. Doch jeder konnte sich mit dem starken Wirtschaftswachstum der 1950er und 1960er Jahre etwas leisten. Also z.B. ein neues Auto. Immer weniger fuhren mit der Bahn, was sie unrentabel machte. Der Individualverkehr begann analog seiner neuen, spannenden Möglichkeiten zu wachsen. Weil alles noch auf Neubeginn stand, lohnte es sich, die neue Freiheit mit dem eigenen Auto auszukosten. Alles zu unternehmen wann man wollte, wohin man wollte. Mainz?

Ach komm, steig ein, wir fahren mal gerade rüber. Umgekehrt in Richtung Wiesbaden natürlich ebenfalls. Es hat Spaß gemacht. Alle waren dabei. Allerdings wurden mit diesem Wohlstand die Städte immer größer. Immer mehr Menschen. Immer mehr Autos. Sogar Autos pro Mensch und Familieneinheit – immer mehr. Und so haben wir es im Laufe der Zeit bis heute tatsächlich geschafft, den Rahmen unserer damaligen Möglichkeiten dermaßen in die Knie zu zwingen, dass wir kaum noch Luft holen können. Denn Spaß macht es schon lang nicht mehr. Von A nach B ist keine Fahrt, sondern eine Gurkerei vom Allerfeinsten! Stets steht man im Stau. Von der schlechten Luft und den überall fehlenden Parkplätzen ganz zu schweigen. Mal eben nach Mainz? Warum? So einen Stress tue ich mich nicht an. Auch wenn evtl. neue Jobs, Geschäfte, Freunde, Freizeiten, kurzum neue Optionen und Perspektiven locken. Ein solcher Weg ist nicht das Ziel.

Es ist nicht egal, wie wir miteinander verbunden sind.

Eine CityBahn-Lösung kennt auf ihrer eigenen Trasse keinen Stau. Sie ist in der Regel verkehrsflüssig und zeitgenau unterwegs.

Die neuesten Generationen haben einen fantastischen Komfort. Man wird praktisch von Mainz nach Wiesbaden oder auch umgekehrt wie auf Händen getragen. Eine Einladung, spontan oder auch geplant mein Auto stehen zu lassen. Steige ich aus der CityBahn aus, nehme ich dann den Bus oder, wenn nötig für die letzten Meter, auch ein Sharing-Bike in Anspruch. Liebes Mainz, als Wiesbadener kenne ich bislang nur teure Parkhäuser, Knollen, wenige Abstellmöglichkeiten für mein Gefährt, um letztendlich den eigentlichen Grund schätzen zu können. Nämlich, ab in die Kneipen zu gehen. Zum Shoppen, Studieren oder auch mal ne andere Welt zu sehen, eine Freiheit zu spüren, die man jederzeit wahrnehmen kann. Wohl an, die Zeiten haben sich geändert. Die Möglichkeiten müssen unabdingbar hier anschließen. Zwischen 1957 und 2018 haben wir alles getan, um eine gar lustige Reise zu unternehmen: Vom hü zum hott zurück zum hü. Na und? Wir passen uns an und lernen. Dieser Weg ist heute im Hinblick auf morgen das neue Ziel.

Probefahrt gefällig? Einfach mal was wagen!

Am liebsten auch einmal alle Zweifler und Gegner ans Händchen genommen und auf geht’s. Doch der kürzlichen Einladung zu einer kostenlosen Info-Fahrt, initiiert durch das Bündnis Verkehrswende Wiesbaden, folgten überwiegend die Fans der CityBahn. Diverse Wiesbadener konnten sich in Begleitung von Verkehrsdezernent Andreas Kowol einen guten Eindruck davon machen, wie es ist, erst mit dem Gelenkbus vom Wiesbadener Hauptbahnhof nach Mainz zu kommen, um danach mit der Mainzelbahn weiter in Richtung Lerchenberg zu reisen – Guter Erfahrungsbericht übrigens von der FR!

Zwischendurch gabs diverse Informationen, die immer mehr klarmachten, dass hinter all dem ein zukunftsträchtiger ÖPNV-Mix steht, der ökologisch wie auch logistisch effizient mehr Lebensqualität, mehr Mainz und auch mehr Wiesbaden wahrwerden lässt. Nahezu alle Informationsreisende waren jetzt noch positiver gestimmt. Hätten nur mehr Zweifler mal Platz genommen, um praktisch über dieses Freiticket zu er-fahren, wie der Unterschied ist, wenn man auf einer Strecke von Straßenverkehr auf Schienenverkehr umsattelt. Mit Sicherheit hätte es die eine oder andere tradierte Haltung in Frage gestellt. Mir ist in jedem Fall klar, Mainz bleibt nicht mehr das Mainz wie ich es bis dato kenne oder es üblicherweise halt singt und lacht. Mit dem CityBahn Projekt werden wir zukünftig alle gemeinsam lachen.

Über den Autor: Andreas Rolle, Initiator und Admin der Facebook Gruppe Lust auf Wiesbaden mit über 16.000 Mitgliedern. Im Rahmen dieser Kolumne werden postulierte Fragen, Bedenken und Kommentare der hier aktiven Wiesbadener reflektiert und mit der gegenwärtigen Faktenlage verglichen.