Wenn es in Wiesbaden jemand gibt, der den Immobilienmarkt gut kennt und vor allem auch bewerten und einschätzen kann, weil er damit recht erfolgreich sein Geld verdient, dann ist es Andreas Steinbauer. Seine Sichtweise betrachtet Wiesbaden einmal als Gewerbestandort. Also die Attraktivität von Gebäuden und Räumen, um in dieser Stadt zu arbeiten. Des Weiteren blickt er auf die Lebensqualität, die aufgrund von Immobilien und deren Umfeld und Umwelt ausgeht.

Schon im Warm-up unseres Gesprächs wird schnell klar, dass wir beide Wiesbaden lieben. Wir sind schon lange hier und ob man hier „schafft“ oder lebt. Laut Steinbauer ist es unumgänglich, dass Wiesbaden in seiner Entwicklung nicht stillstehen darf, um sie den Erosionen der Zeit hinzugeben. Ob es die Einflüsse der Umwelt sind oder auch die wachsenden Anforderungen und Herausforderungen im Verkehr. Für ihn ist das Konzept eines „emissionsfreien ÖPNV“ inklusive CityBahn die richtige Richtung.

Herr Steinbauer, kommt die CityBahn?

Sie muss kommen. Aber keineswegs als singuläre Lösung. Die CityBahn ist Teil eines gesamten Verkehrskonzepts. Da kommen noch Busse, Kfz und Fahrräder dazu. Ein emissionsfreies ÖPNV Angebot an die Wiesbadener, das selbst ich als Autofahrer aber vor allem auch als überzeugter Nutzer des ÖPNV gerne willkommen heiße. Letztendlich hat der Individualverkehr im innerstädtischen Bereich seine Grenzen. Unsere Fortbewegung ist alles andere als flüssig geworden und betrachten wir uns die Luftwerte, dann erhält der Standort Wiesbaden jetzt schon ein Abzug in der Note „L“ wie Lebensqualität.

Hat das nicht auch Einfluss auf den Wert eine Immobilie?

Natürlich. Wer an stark befahrenen Straßen wohnt, dort sich täglich Lautstärke und Abgase reinzieht, wird als Mieter kaum Lust auf Wiesbaden nachempfinden können. Die Vermieter empfinden das ähnlich, weil ihre Mieteinnahmen den persönlichen Erwartungen oft hinterherhinken. Eine Immobilie lebt immer von ihrem Umfeld. Je mehr Autos und weniger Grün und gute Luft im Spiel sind, desto billiger wird am Ende die Miete. Ist doch verständlich.

Jetzt soll an manchen Häusern eine CityBahn entlangfahren. Beispielsweise sprechen die Gegner bei der Biebricher Allee von großen Wertverlusten?

Aber warum? Die gesamte Strecke von Biebrich bis zum Bahnhof erhält durchgehend eine Mitteltrasse, auf der die CityBahn fährt. Geplant ist sogar, dass sie auf einer begrünten Trasse fährt. Die Straße rechts und links der CityBahn wird einspurig und demnach alles andere als eine gute Empfehlung, sie als Hauptverkehrsstraße zu nutzen. Wer heute an der Biebricher Allee wohnt und lebt, sieht täglich viele Autos vorbeifahren. Zudem muss man deren Emissionen ertragen, die nun alles andere als werterhaltend gelten. Fährt die Bahn aus Mainz über Biebrich kommend hier entlang, entspannt sich der komplette Verkehr. Es wird auch für Fahrradfahrer deutlich ungefährlicher. Ich habe gehört, dass nur 15% des Baumbestandes gefällt werden müssen. Das bedeutet: Es bleibt grün. Nein, mit Rasen wird’s noch grüner. Aber auch für die optimale Erreichbarkeit der Innenstadt – Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten – sehe ich viele Vorteile: Schauen wir auf genau diese Achse, dann partizipieren besonders die Häuser von einer Trasse, die von der Klarenthaler Straße via Dotzheimer Straße in die Luisenstraße und hier dann weiter zum HBF verläuft. Die CityBahn verbindet, weil sie eine Hauptroute ist und ihre Fahrgäste optimal in die Stadtmitte bringt und nicht irgendwo ablädt. Wer hier wohnt oder zum Einkaufen unterwegs ist, wird es nicht als Verlust, sondern als Gewinn empfinden.

Aber was ist mit dem Quietschen in den Kurven oder den Erschütterungen?

Über was reden wir? Die aktuelle Planung zeigt einen Streckenverlauf, der mit nur sehr wenig Kurven ausgestattet ist. Hinzu kommt, dass Wiesbaden sich eine hochmoderne Ausstattung an Gleisbett und Tram leisten wird. Da kommt der neuste Stand der Dinge zum Einsatz. Die Trassen sind überwiegend in der Mitte angelegt, rollen also flüssig daher. Und wenn es dann doch in den Kurven quietscht, dann wird die Welt und der Wert der Immobilie auch nicht untergehen. Man wohnt schließlich in Wiesbaden. Eine Stadt, die im Zusammenspiel mit Mainz und auch der Anbindung Taunusstein eines der bedeutsamsten Infrastrukturprojekte in der Region realisieren will. Damit ist sie und alle Immobilien am Fortschritt und einem Wohlstand beteiligt und keineswegs am Stillstand und Rückschritt.

Betrachten wir uns die Alternativen anderer Städte mit Bussen und U-Bahnen …

In jedem Fall keine Alternativen für Wiesbaden. U-Bahnen hier in Wiesbaden, bei all unseren unterirdischen Wasser- und Heilquellen? Und Busse? Wieviel Busse bzw. Gelenkbusse müssen zeitgleich mit mehreren Busfahrern synchronisiert hintereinanderfahren, um auch nur eine CityBahn zu ersetzen? Geben wir es doch zu: Wir haben die Kapazitätsgrenze heute erreicht. Wer von Taunusstein in die Stadt will oder auch von Mainz. Alles steht im Stau. Wenn es eine Verbindung gibt, mit der man nie im Stau steht, die dazu auch noch weitere emissionsfreie Verkehrssystem anbietet, um bequem zu sagen: „Dafür brauch ich kein Auto“, dann gibt es keine Alternative zu dem, was geplant und hoffentlich schnellstmöglich im Sinne einer neuen Standortattraktivität umgesetzt wird.

Herr Steinbauer, vielen Dank für das Interview.

Einmal mehr bekomme ich von einem Fachmann sehr logisch bestätigt, dass wir mit der CityBahn bzw. dem Vorhaben eines emissionsfreien ÖPNV keinen in Wiesbaden ärgern wollen. Wir haben, wie Andreas Steinbauer schon sagt, eines größten Infrastruktur-Projekte im Fokus, das für uns alle Lebensqualität in jeglicher Hinsicht anstrebt. Wir wohnen hier. Wir arbeiten hier. Wir leben hier. Dazu müssen wir letztendlich die Bedingungen dafür immer so im Auge behalten, dass die Lust auf Wiesbaden nicht vergeht.

Über den Autor: Andreas Rolle, Initiator und Admin der Facebook Gruppe Lust auf Wiesbaden mit über 19.000 Mitgliedern. Im Rahmen dieser Kolumne werden postulierte Fragen, Bedenken und Kommentare der hier aktiven Wiesbadener reflektiert und mit der gegenwärtigen Faktenlage verglichen.