Nun, ich habe ja wirklich einiges in der letzten Zeit geschrieben. Beiträge rund um das, was in der Facebook Gruppe Lust auf Wiesbaden oder in Twitter an Fragen, Statements und Anforderungen laut wurde. Mein Fazit: Es ist alles gesagt.

Ist doch alles gesagt, oder?

Ok, die Diskussionen hören nicht auf. Inhaltlich gibt’s allerdings auch nichts Neues mehr. Wir warten darauf, dass wir im Projektfahrplan mit der Präsentation der finalen Entwurfsplanung zum Ende kommen. Dauert noch. Denke, dass es auch gut so ist. Wiesbaden wird langsam wach und nimmt das Vorhaben wahr. Die Wiesbadener müssen sich einfach noch viel mehr mit den Details aber auch dem Projekt für die eigene Zukunft auseinandersetzen, um letztendlich entscheiden zu können. Klar kann man oberflächlich verneinen oder sein Go geben. Doch finde ich schon, dass wir alle eine Verantwortung haben, wenn eins der bedeutsamsten Projekte der Stadt umgesetzt werden soll. Wir müssen wissen, wie die Konsequenzen aussehen, wenn die CityBahn nicht kommt und uns alle ernsthaft selbst ins Gebet nehmen und fragen: „Was kommt dann und wann und zu welchen Bedingungen werden wir unser Wiesbaden neu ausrichten?“ Und: „Hängen wir tatsächlich so an unserem Individualverkehr?“

Ein modernes Verkehrssystem muss her

Ein emissionsfreier ÖPNV ist für die Verkehrsentwicklung und die vorliegenden Dieselfahrverbote ein Muss, d.h. aber auch, dass wir von einem Gesamtkonzept ausgehen, in dem die CityBahn ein Teil, nämlich den, des Haupttransports übernimmt. Konkret: Viele Menschen werden emissionsfrei je Fahrt von Mainz über Wiesbaden nach Bad Schwalbach und zurück transportiert. Verkehrstechnisch bedeutet das die komplette Umstellung auf 221 Elektro-Busse, in Kombi mit einer CityBahn sowie einem Fahrrad-Vermietsystem. Ja, genau das will ich!

Schienen bzw. Straßenbahnlösungen sind überall auf der Welt im Einsatz und gehören zu den modernen Verkehrssystemen. Der große Vorteil: Man fährt auf Trassen und hat keine Staus, wie im Individualverkehr oder bei Bussen. Man ist immer pünktlich.

Chance für die Landeshauptstädte

Immobilien an Straßen mit CityBahn steigen im Wert. Das hat mir unser Immobilien-Fachmann Andreas Steinbauer bestätigt. Sein recht einfaches Argument: Immobilien, die sich an Straßen befinden, die weniger durch Autos befahren werden bzw. deren Autoverkehr durch ein hochmodernes Schienensystem abgelöst oder entlastet wird, sind automatisch weniger von Lautstärke und Emissionen betroffen, bieten demnach mehr Lebensqualität und somit auch mehr Aufwertung. Klingt für mich sehr logisch. Nehmen wir die Biebricher Allee als Beispiel: Hier werden nur ca. 15% der Bäume fallen. Allerdings kommt eine begrünte Trasse hinzu. Fazit: Mehr grün. Weniger Lärm und Abgase, weil weniger Autos hier entlangfahren. Große Kurven gibt es wenig. Die CityBahn rollt exklusiv daher. Passt!

Ich habe des Weiteren den Busfahrer und „Lolli-Man“ Michael Beltz nach seinen Erfahrungen in Mainz mit der dort bereits fahrenden Tram namens „Mainzelbahn“ gefragt. Für ihn ist sie die perfekte Entlastung schon allein im ÖPNV, weil sie die gestiegenen Fahrgastkapazitäten übernimmt. Autos bleiben zudem zu Hause, weil man gelernt hat, mit ihr gut auszukommen. Warum sollte es bei uns anders sein?

Brückenschlag nach Mainz – was für eine Chance, wenn wir über 500.000 Menschen aus Mainz, Wiesbaden und Taunusstein über die CityBahn miteinander verknüpfen. Sie wird zur gemeinsamen Lebensader, weil sie uns Menschen und damit das Leben stetig in die Orte bringt. Pulsierend. Ohne Stau.  Mit der Option, dass man durch die angeschlossen emissionsfreien Optionen als Mainzer oder Wiesbadener das Auto zu Hause lassen kann. So wie es in anderen Städten überall auf der Welt auch der Fall ist. Ein Plus, für das Zusammenleben. Am End‘ verstehen sich sogar die Mainzer und Wiesbadener untereinander – oje 😊!

Es geht um unsere Zukunft

Alles in allem haben wir in den kommenden Monaten einen strikten Projektfahrplan vor Augen. Alle! Denn durch die Bürgerbeteiligung sind über 10.000 Eingaben und Anregungen in das Anforderungsmanagement der Planer übergegangen. Ingenieure verdichten ihre Planung damit, insbesondere auch die Kostenseite wird angepasst. Wir erinnern uns: Die Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) brachte in der ersten Bewertung einen positiven Wert von 1,5. Alles was über 1 ist, wäre machbar und wirtschaftlich vertretbar. Wenn wir nun nicht nur emissionsfrei am Start sind, sondern auch betriebswirtschaftlich attraktiv, dann kann das alles nicht so schlecht sein, wie manche Gegner behaupten. Und wenn die finale Entwurfsplanung nochmals online wie offline auf Infomessen präsentiert wird, können alle sehen, ob sie ihr Go für die CityBahn beim Bürgerentscheid geben. Ich denke, sie hätte es verdient.

Das auch, weil es um unsere Umwelt geht. Wir beschweren uns viel, wollen alles dafür tun, nur wenn es darum geht, sich selbst Änderungen zu verordnen, werden wir steif und verkrampft. Doch hat unsere Luft und unsere Verkehrsbelastung in Zukunft wenig positive Aussichten zu bieten. Speziell, wenn der Mensch auf seinen „Individual-Anspruch“ als Ausdruck seiner automobilen Freiheit besteht und ihn über die Umwelt stellt. Fragen wir uns doch alle mal selbst: Wir müssen doch was ändern – oder?!

Warum ich dafür bin, müsste mittlerweile klar sein. Ich bin es allein schon unserer Jugend schuldig, mich ein Tacken zurückzunehmen, um für junge Generationen und ihr Leben in Wiesbaden weiterzublicken. Ob es euch überzeugt, das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Ich weiß nur eins: Es hat sehr viel diesmal mit Verantwortung zu tun. Wiesbadener sind aufgefordert, über ihre Zukunft zu entscheiden. Nicht Gegenwart und schon gar nicht auf irgendwelche Beispiele der Vergangenheit (früher war alles besser usw.). Das ist nicht repräsentativ. Wir können nicht Argumente berücksichtigen wie „Die Straßenbahn wurde doch abgeschafft“, „Jetzt ne Trasse, das gibt ordentlich Stau!“ bzw. „Wie soll ich da mit meinem Auto fahren?“ oder „Die Kosten, die Kosten!!!“. Hey, das sind Argumente für Menschen, die glauben, ihr „Individualanspruch“ wäre immer da. Auto raus und los geht’s! Falsch. Es geht um viel mehr!

Wir sitzen alle in einem Boot. Atmen dieselbe schlechte Luft. Wir müssen deshalb ein Stück „ICH“ an das „WIR“ abgeben und als neue Alternative für uns alle verfolgen. Nicht morgen, nein heute. Insbesondere, weil es uns heute weniger kostet und so schnell wie möglich morgen schon in die Situation versetzt, dass unsere Region innerhalb Deutschlands vorbildlich dasteht. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn uns allen in Wiesbaden klar ist, dass wir nicht nur aktuell über eine „Straßenbahn“ entscheiden. Denkt bitte nochmal genau nach: Wir streben einen Paradigmenwechsel in unseren Köpfen sowie für unser Leben in Wiesbaden an, weil wir eine bessere Zukunft haben wollen. Ich empfinde das als ehrbar, im Rahmen der Bürgerbeteiligung und des Bürgerbegehrens gefragt zu werden und bin wahrlich ein bissel stolz, an unser aller Zukunft meinen Anteil zu haben. Deshalb:

Go!