Hey Umwelt, wir kommen aus dem Quark. Endlich!

Wie wichtig ist uns ein emissionsfreier Verkehr? Wie wichtig ist mir die Umwelt? Diese Frage klingt natürlich rhetorisch, weil sich jeder, der sich im Spiegel erblickt, fragt: was kann ich heutzutage anderes darauf entgegnen, als „total wichtig!“? Doch wer sich dazu ernsthaft committed, unterliegt auch der damit verbundenen Konsequenz: Auto, wenn möglich stehen lassen, dosiert verwenden und das emissionsfreie ÖPNV Angebot von CityBahn bis E-Bus, E-Kfz & More nutzen. Denn dieser sehr intelligente Mix für die Zukunft unserer Umwelt und auch unseres Verkehrs funktioniert dann besonders gut, wenn wir alle mitmachen. Warum? Weil wir die Dinge neu begreifen müssen. Es geht nicht darum, den Individualanspruch – mein Auto, meine Freiheit – mit allen Mitteln durchzudrücken. Auch nicht in spe total zu unterdrücken. Es geht darum Alternativen zu haben, wertzuschätzen und demnach auch im Rahmen der Alltagsroutine von „Bewegung in und rund um Wiesbaden“ zu nutzen, weil es uns allen gut tut und noch besser: Weil es uns gefällt. Weil wir Teil einer smarten Gemeinschaft werden und weil wir neue Werte vor Augen haben, die auf fantastische Weise unsere alten Probleme lösen können.

Das ist ja Faktor4 – richtig erkannt!

Halbierung der Naturbelastung bei doppelter Verkehrsqualität und Umweltentlastung – hey, besser geht’s nicht. Zugegeben, diese Formel habe ich von Ernst Ulrich von Weizsäcker geklaut, der mit „Halber Naturverbrauch. Doppelter Wohlstand.“ einst in seinem Buch FAKTOR4 die Effizienzrevolution einläutete. Doch wenn die ESWE es sich auf die Fahnen schreibt, einen ÖPNV ohne Emissionen bereitzustellen und wir dabei erlernen, auf unsere eigenen Autos zugunsten des ÖPNV zu verzichten, dann sind wir alle Teil einer revolutionären Idee, weil wir sprunghaft mehr erreichen. Das Mitglied der Facebook Gruppe „Lust auf Wiesbaden“ hat das vortrefflich erkannt. Denn in der Landeshauptstadt potenziert sich gerade die Chance, in Zukunft um ein Vielfaches schneller und lebenswerter frische Luft zu schnappen.

Ok, wir müssen ein paar Bäume fällen!

Man, was haben wir uns alle vor ein paar Jahren über das Bowling-Green aufgeregt, als die alten Platanen aufgrund des neuen Parkhauses weichen mussten. Doch wurde sie einfach nachgepflanzt und mal ehrlich, heute kräht kein Hahn mehr danach. Drum verfalle ich auch nicht in Panik, wenn beim Bau der CityBahn etwaiges Grün aufgrund der Haltstellen und Oberleitungen weichen muss, weil auch gleichzeitig die Pflicht auferlegt ist: „Wer hier Grün nimmt, muss dort Grün geben.“ Mit Sicherheit werden wir durch diese Maßnahme nicht im Grau unseres CityBahn-Schicksals versinken, wenn gleichzeitig die Emissionen verringert werden 😉. Bissel Gelassenheit wäre schon angebracht.

Eine gute Umwelt beruht auf einem gesunden System

ESWE Geschäftsführer Zemlin verspricht in seinem Video eine saubere Zukunft. Und das ist für mich schonmal eine gute Zukunft. Bedingt dadurch, dass in einer Welt und einem Deutschland, in dem überall die Luft schlechter wird, unsere Luftreinheit verbessert werden kann. Insbesondere der Verkehr, die Adern unseres Lebens in der Stadt, gehört dazu. Der Philosoph Heraklit wusste mit seinem Postulat „Panta Rhei“ genau, wenn „alles fließt“, ist das System gesund. Unser System, das in Wiesbaden besteht, ist nicht so gesund. Es fließt nicht so. Kann auch krankmachen. Warum müssen wir das akzeptieren? Was ist es uns Wert, die Dinge zu ändern? Alles? Ich glaube schon. Und noch mehr. Denn unsere Stadt ist keine Insel. Da gibt es noch Mainz. Wiesbaden. Den Rheingau. Frankfurt. Aber auch: Zufluss. Abfluss. Verweilen. Wohnen. Nutzen. Etc. Was unser System hier und heute herausfordert, ist nichts anderes, als eingangs besagter Individualitäts- bzw. Freiheitsanspruch, den wir immer noch verteidigen wollen. Aber genau hier gilt es, dass wir unser System überprüfen, auch bei wachsender Beanspruchung – Wiesbaden wächst nun mal – hinterfragen und optimieren müssen.

Wo sind unsere Prioritäten?

Was haben wir zu befürchten, wenn wir uns eine Zukunft gestalten, die Wiesbaden als erste Stadt mit emissionsfreien ÖPNV ausweist. Ausgehend davon, dass die Bedingungen dafür finanzierbar, realisierbar und letztendlich auch gegenüber Individualverkehr als Alternative annehmbar sind, dann muss ich das als Bürger in dieser Stadt akzeptieren. Mehr noch! Bei all den Problemen, die wir heute in puncto Umwelt und Verkehr haben, gibt es keinen Grund, die Dinge aufzuschieben. Sie werden sich definitiv nicht verbessern. Eine CityBahn: Sie ist vielleicht als Neuling hier der Protagonist, der in unserer Stadt auf die Bühne will. Doch stehen dort auch andere Mitstreiter. Ein Mix an Kompetenzen, die konzertiert ne gute Show versprechen. Das schaue ich mir deshalb gerne an!

 

Andreas Rolle – Initiator von Lust auf Wiesbaden

Über den Autor: Andreas Rolle, Initiator und Admin der Facebook Gruppe Lust auf Wiesbaden mit über 16.000 Mitgliedern. Im Rahmen dieser Kolumne werden postulierte Fragen, Bedenken und Kommentare der hier aktiven Wiesbadener reflektiert und mit der gegenwärtigen Faktenlage verglichen.