Stand der Dinge – über Linienführungen, Bürgerbeteiligung und Begehren

Wer die Infomessen zur CityBahn besuchte, dem begegneten sehr viele, superinteressierte Bürger, die sich ein Bild vom Projekt machen wollten. Sie gingen die Linienführung in allen Einzelheiten durch, stellten sehr viele Fragen und diskutierten teils auch emotional an den jeweiligen Ständen. Nichts anderes erleben wir in den sozialen Medien. Denn irgendwie glauben wir schon, in der Entscheidungsfindung bis dato außen vor zu sein. Der Politiker entscheidet und die CityBahn wird da so durchgewurschtelt. Doch dem ist nicht so. Wir werden beteiligt und haben Einfluss. Nur ist das hier und da nicht immer jedem so klar.

Nächster Halt: Feinplanung.

Jetzt, da alle Daten aus dem aktuellen Bürger-Dialog vorliegen, also das, was online und auf den Messen alles an Meinungen, Vorschlägen, Ideen, Dringlichkeiten, Befürchtungen & Co gesammelt wurde, geht’s in die Detailplanung. Das Ziel: möglichst viele Belange unter einen Hut bekommen. Wie sieht der Plan für die Realisierung dann konkret aus? Wie läuft es mit den Kosten? Gibt es immer noch kritische Punkte oder haben wir gute Kompromisse am Start? Das gute daran: Es sind wirklich exzellente Fachleute am Start, die wissen was sie tun. Die CityBahn und das Vorhaben, den ÖPNV neu auszurichten ist nicht ihr erstes Projekt, an dem sie gerade üben. Sie können das!

Wir sind beteiligt. Ohne Ausreden!

Die Übung liegt demnach eher bei uns Bürgern. Nämlich, aktiver Teil eines Prozesses zu sein, der unsere Stadt und vor allem die Zukunftsfähigkeit und Qualität unseres Lebens in Wiesbaden betrifft. Durch meine kontinuierliche Beschäftigung und auch Dialoge rund um die CityBahn habe ich bei all dem gelernt: Wir müssen uns selbst prüfen, ob wir diesen emissionsfreien ÖPNV wollen. Sind wir wirklich dazu bereit, uns für eine bessere Umwelt und Luft in Wiesbaden anzupassen und gegebenenfalls auch zu ändern? Und haben wir dann immer noch Lust auf Wiesbaden? Ich glaub schon.

Begehren sind begehrt!

Aktuell läuft schon eine Petition, um den Bürger keineswegs im Nachteil zu sehen. Das Bürgerbegehren soll verhindern, dass die Projektverantwortlichen uns Wiesbadener übergehen und ohne uns die CityBahn realisieren. Doch hey, nur nochmal der Reihe nach: Alles was hier läuft, ist doch für uns Bürger gedacht. Alle Verantwortlichen könnten sich lässig zurücklehnen und haben weiß Gott Besseres tun, als sich mit so einem komplexen Vorhaben das Leben schwer zu machen. Da möchte ich eher jedem meinen Respekt aussprechen, weil er sich eigentlich für „mich“ einsetzt. Für Misstrauen gibt es keinen Grund.

Das einigen allerdings immer noch nicht die Methodik und Vorgehensweise klar ist, kommt halt auch vor. Gerade in unseren Posts werden Ängste postuliert und vor dem großen Verderben gewarnt. Doch es gibt Null Grund zur Panik. Meine Empfehlung: Schaut euch mal die Projektierung genau an und bleibt besonnen. Euer Begehren sollte zunächst der Informationstiefe gelten, um zu verstehen, was in Wiesbaden gerade passiert. Nämlich ein toller Schritt unter besten Bedingungen in Richtung besserer Zukunft. Zudem, um letztendlich aufgrund von Dialogen, Infomessen und Planungsprozessen irgendwann das Gefühl zu haben: Jetzt weiß ich alles. Jetzt kann ich mich entscheiden, ob ich Pro oder Contra bin. Unser OB Sven Gerich hat sich eh für ein Referendum ausgesprochen. Die CDU auch. Das heißt: Wenn alle Spezialisten ihren Job gemacht haben, werden wir per Bürgerbegehren daran gemessen, wie wir mit dieser übertragenen Verantwortung umgehen. Auf dieses Ergebnis bin ich sehr gespannt.

Cheers@all!

 

Andreas Rolle – Initiator von Lust auf Wiesbaden

Über den Autor: Andreas Rolle, Initiator und Admin der Facebook Gruppe Lust auf Wiesbaden mit über 16.000 Mitgliedern. Im Rahmen dieser Kolumne werden postulierte Fragen, Bedenken und Kommentare der hier aktiven Wiesbadener reflektiert und mit der gegenwärtigen Faktenlage verglichen.