Der letzte Freitag im November 2019 steht im Zeichen des Klimaschutzes: Schülerinnen und Schüler versammeln sich zum gemeinsamen Streik für den #NeustartKlima. Doch wie wirkt sich die Klimabilanz der CityBahn für die Region auf und welche Perspektiven für den Umweltschutz ergeben sich aus den Plänen?

Streiken für die Umwelt

Am kommenden Freitag, den 29. November 2019 ist es wieder so weit: Überall ziehen Kinder und Jugendliche auf die Straßen, um im Rahmen des weltweiten Schulstreiks der Fridays For Future-Bewegung für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Unter dem Motto #NeustartKlima zieht es zahlreiche Schüler, Studenten und junge Erwachsene zu den Treffpunkten in Mainz und Wiesbaden.

Die Landeshauptstädte verbindet derzeit nicht nur der Schülerstreik und die gemeinsame Herausforderung, eine zukunftsfähige Mobilität für die gesamte Region zu organisieren, sondern auch die Planung zum Bau der CityBahn und das Bestreben, die Luft in den Städten zu verbessern. Doch was kann die geplante Tram zum Klimaschutz beitragen? Welche Vorteile und Perspektiven ergeben sich für die beiden Städte?

CO2 Ersparnis

Es ist allgemein bekannt, dass der motorisierte Individualverkehr einen Großteil der Treibhausgase in den Städten produziert – viele Städte in Deutschland leiden unter erhöhten CO2– und Feinstaubwerten, darunter auch Wiesbaden. Denn ein Pkw verbraucht im Schnitt 139 g Treibhausgase pro Personenkilometer, ein Linienbus 75 g/Pkm und eine Tram lediglich 64 g/Pkm. Auch bei den Feinstaubwerten sieht es ähnlich aus: Pkw schlagen mit 0,004 g/Pkm zu Buche, Busse mit 0,002 Pkw und Trams können mit 0,000 aufwarten.[1]

Die Zahlen zeigen: Während Pkw merklich für dicke Luft sorgen, tragen öffentliche Verkehrsmittel – insbesondere Straßen-, Stadt- und U-Bahnen, zur Luftverbesserung bei.

Mehr Lebensraum in der Innenstadt

Und auch beim Platzverbrauch sorgt die Tram für mehr Luft: Denn ein Auto in Betrieb, das mit einer Person bei 50 km/h durch die Stadt fährt, nimmt 140 m2 des wertvollen Stadtraums ein. Geparkt werden ganze 20 m2 blockiert. Eine Straßenbahn mit 50 Passagieren belegt hingegen nur 7 m2 pro Person. [2]

Weniger Autos und Parkplätze bedeuten also mehr lebenswerten Raum in den Städten. Die rückgewonnenen Flächen könnten anderweitig genutzt werden und bieten Anwohnern, Fußgängern und Fahrradfahrern mehr Freiheit – für breitere Fahrrad- und Fußwege, Sitzgelegenheiten und vieles mehr. Ein besonderes Konzept für autofreie Städte findet man in Barcelona: In den sogenannten Superblocks wird der Autoverkehr durch Einbahnstraßen und Tempolimit 10 km/h deutlich reduziert, Fußgänger und Fahrradfahrer haben Vorrang. Autolärm und Abgase weichen so spielenden Kindern und Begegnungsstätten für Anwohner.

Entsiegelte Flächen durch Rasengleise

Bei Vorgärten geht der Trend leider hin zum Schotterbeet – bei Straßenbahn zum Rasengleis. Denn die CityBahn soll weitestgehend auf Rasengleisen unterwegs sein. Diese gelten als besonders stadtverträglich, sorgen für kühle Luft und eine geminderte Geräuschkulisse. Eine Straßenbahn mit Rasengleis erzeugt 50 dB(A) und ist damit deutlich leiser als Busse (52 dB(A)) und Autos (55 dB(A))[3]. Und auch positive ökologische Effekte werden erzielt: Durch die Speicherung und Verdunstung des Regenwassers im Rasen wird die Aufheizung der Gleise verringert und die Luft deutlich abgekühlt. Bereits ein Quadratmeder begrüntes Gleis können in Sommermonaten etwa 44.000 m3 Luft um 10 K (Senkung von 30°C auf 20°C) kühlen. Dies hat merkliche Auswirkungen auf die Lebensbedingungen und die Gesundheit der Anwohner und ist somit ein wertvoller Beitrag für das Klima in den Städten[4]. Und auch für Kleintiere und Insekten bieten Rasengleise wertvolle Lebensräume.

Die Straßenbahn hat uns einen Park gebracht.

Alain ChénardAlt-Oberbürgermeisters der Stadt Nantes

Ökologisch dank hoher Lebensdauer

Autoreifen halten im Durchschnitt vier Jahre und verlieren dabei 1 bis 1,5 Kilogramm ihres Gummis[5]. Dieses findet sich nachher als Feinstaub und Mikroplastik in der Umwelt wieder. Pkw selbst haben immerhin eine Lebenserwartung von durchschnittlich 9,5 Jahren2. Busse sind in der Regel 8,5 Jahre[6] im Einsatz. Straßenbahn-Anlagen hingegen haben eine Lebensdauer von 25 Jahren im Mittel[7]. Mit Hilfe von Retrofit-Programmen, also der Modernisierung und Sanierung der Fahrzeuge, können diese sogar 30 bis 50 Jahre lang eingesetzt werden[8]. So ergibt sich für Trams eine Lebensdauer, die drei bis fünf Mal so lang ist, wie die von Bussen – und dies macht sie deutlich ökologischer und kosteneffizienter.

Geringerer Energieverbrauch dank Nutzbremse

Nicht nur moderne Autos und Züge der Deutschen Bahn greifen auf die Technik der Bremsenergierückspeisung zurück. Auch in Straßenbahnen und U-Bahnen ist diese Form der Energiegewinnung anzutreffen. Bei Bremsmanövern wird die Bewegungsenergie der Bahn in elektrische Energie umgewandelt, welche dann anderen fahrenden Bahnen über den Fahrdraht zur Verfügung gestellt wird. Im Rhein-Neckar-Raum werden so durch den Einsatz von 20 Straßenbahnen mit Nutzbremse etwa 27 bis 30 % Energie eingespart[9]. Dies macht die umweltfreundliche Tram noch energieeffizienter und sparsamer.

Luft nach oben: Potenziale für die Zukunft

Auch wenn der Umstieg vom Auto oder Dieselbus schon jetzt spürbare Vorteile bringt, birgt die Tram noch weitere Perspektiven für die Zukunft. Kürzlich wurde die Logistiktram mit dem Preis „Beste Idee 2019“ vom gemeinnützigen Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene e. V. ausgezeichnet. Diese soll zukünftig in Frankfurt Pakete transportieren und somit den Lieferverkehr und -lärm durch Paketlieferdienste deutlich reduzieren.

In touristischen Gebieten sieht man es häufig: Busse mit Anhängern, auf denen die Fahrräder der Touristen transportiert werden. In Stuttgart ist die Bahn vom Marienplatz bis zum Stadtbezirk Degerloch mit einem besonderen Vorstellwagen unterwegs. An Fahrradständern können hier die Drahtesel befestigt und über die steile Strecke bis hoch auf die Filderbene mitgenommen werden. Auch für das bergige Wiesbaden wäre diese Transportmethode eine praktische Ergänzung für ein ganzheitliches Verkehrskonzept.