Über die aktuelle Verkehrslage in Wiesbaden wird gut und gerne berichtet. Doch wie sieht die Zukunft auf den Straßen aus? Damit setzt sich die Stadt Wiesbaden im Verkehrsentwicklungsplan 2030 seit 2015 auseinander. In neu erstellten Innovationsszenarien werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich die Mobilität entwickeln könnte.

Die Bestandsanalyse

In einer ersten Bestandsanalyse hat die Stadt Wiesbaden einen umfassenden Bericht zum Verkehrsangebot sowie der Nachfrage danach erstellt. Mit umfassenden Beschreibungen und Bewertungen werden hier grundlegende Daten zu den Themen Fuß-, und Radverkehr, ÖPNV, fließender und stehender motorisierter Individualverkehr, Wirtschaftsverkehr, Mobilitätsmanagement, Verkehrssicherheit sowie Umwelt und Klima zusammengefasst. Auf Basis dieser Daten werden Entwicklungsziele für ein Stadtentwicklungskonzept 2030+ entwickelt. Ein Teil davon: Die Bedeutung und Entwicklung des ÖPNV in Wiesbaden.

Heute bis 2030

Zum Stand der Erhebung drehte sich das Mobilitätsverhalten der Wiesbadener vor allem um ihr eigenes Kfz, das Motorrad oder andere motorisierte, individuelle Verkehrsmittel. Mit 49 Prozent nutzte fast die Hälfte aller Verkehrsteilnehmer diese Fortbewegungsmethode (Motorisierter Individualverkehr). Außerdem waren 28 Prozent zu Fuß unterwegs, 15 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln und acht Prozent mit dem Rad.

Für 2030 malt die Bestandsanalyse folgendes Bild: Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs sinkt leicht auf 46 Prozent, der Fußgängeranteil steigt auf 30 Prozent an, das Fahrrad wird zu einem Prozent mehr genutzt und liegt so bei neun Prozent. Lediglich beim Öffentlichen Verkehr ist keine Veränderung in Sicht – er bleibt bei 15 Prozent.

46
Motorisierter Individualverkehr
30
Fußgängeranteil
9
Fahrradfahrer
15
Öffentlicher Verkehr

Das Innovationsszenario

Um diese, teilweise doch sehr positiven, Veränderungen noch weiter zu optimieren, wurde ein so genanntes Innovationsszenario erstellt. Während im Bezugsfall 2030 beispielsweise nur von einer Anpassung von Park-and-Ride-Möglichkeiten oder einem Bau von Radwegen ausgegangen wird, sieht das Innovationsszenario einen Ausbau der Park-and-Ride-Anlagen vor sowie die Umsetzung des umfangreichen Radverkehrskonzepts. So wird eine deutliche Erhöhung des Radanteils im Verkehrsmodell erreicht.

Trotz des Ziels, den städtischen Verkehr durch eine Erhöhung der Mobilitätsangebote im Umweltverbund (Bahn, Bus, Taxi, Fußgänger, Fahrrad), gibt es keinen Zuwachs im Modal Split (Anteile einzelner Verkehrsarten bzw. die Verteilung der Verkehrsmittelwahl) des öffentlichen Verkehrs.

CityBahn zur Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs

Die CityBahn ist zunächst nicht Bestandteil des Innovationsszenarios, sie wird als gesonderter Planfall gerechnet. Daher sind die positiven Auswirkungen, die die CityBahn auf den Wiesbadener Verkehr haben wird, nicht in die Daten eingerechnet worden. Auf Grund der großen Kapazitäten der Bahn und der maßgeblichen Erweiterungen des bisherigen ÖPNV-Angebots, ist mit einer zahlenstarken Verbesserung des ÖV-Anteils zu rechnen.

36000000
Eingesparte Pkw-Kilometer pro Jahr durch die CityBahn

Die Stadt selbst schreibt dem ÖPNV im Fazit ihrer Bestandsanalyse „Optimierungspotenziale und Verlagerungspotenziale“ zu und schließt damit, dass es Potenzial für Maßnahmen zur ÖV-Beschleunigung gäbe. Die Zahlen zeigen: Ohne den Bau der CityBahn stagniert die Leistungsfähigkeit des ÖPNV. Im Vergleich mit anderen deutschen Städten wird klar – nur mit Straßen- oder U-Bahn wird ein Modal-Split von über 20 Prozent erzielt.