Technisch betrachtet ist der Bau der CityBahn nur ein Ausbau des bestehenden Mainzer Tram-Netzes, doch die Verbindung über Wiesbaden in den Taunus soll auch eine Neuerung nach Mainz bringen: Zu Hauptverkehrszeiten sollen Zwillingsbahnen eingesetzt werden, die bis zu 440 Personen befördern können. Kritiker äußern Vorbehalte gegenüber längeren Bahnen und Haltestellen, Befürworter begrüßen die höheren Fahrgastkapazitäten.

Wie sieht eine Zwillingsbahn aus?

Die Straßenbahn ist in Mainz ein erprobtes und etabliertes Verkehrsmittel. In den vergangen Jahren hat die Landeshauptstadt zwei neue Linien eröffnet und somit ihr Straßenbahnnetz ausgebaut. Zwillingsbahnen sind im Mainzer Stadtbild bislang noch nicht unterwegs. Geht es nach den Planern soll sich das ändern: Zur Rush Hour am Morgen sowie am frühen Abend sollen anstelle einer Bahn zwei aneinandergekoppelte Bahnen auf die Gleise gehen, um möglichst viele Pendler von A nach B zu befördern. Doch wie sieht so eine Zwillingsbahn überhaupt aus?

Zwillingsbahn am „Neuen Tor“ vor der Altstadt von Jerusalem

Höhere Kapazitäten

Für die Zwillingsbahnen sprechen mehrere Gründe: Sie sind wirtschaftlich, da nur ein Fahrer die doppelte Anzahl an Fahrgästen befördert und zudem klimaschonend, da sie den Energieverbrauch pro Fahrgast senken. Nicht zuletzt finden in einer Zwillingsbahn alle zehn Minuten bis zu 440 Fahrgäste Platz – an gleicher Stelle müssten 4,5 Gelenkbusse fahren. Für die fehlt auf der zentralen Achse zwischen Mainz und Wiesbaden jedoch schlichtweg der Platz. Dass die Auslastung die Strecke zur Rush Hour bereits heute bei 100 Prozent liegt, zeigt sich an überfüllten Bussen und Verspätungen im Betriebsablauf. Da sich die Busse an einigen Haltestellen sogar gegenseitig blockieren, ist eine Verdichtung des Taktes nicht möglich. Abseits der Hauptverkehrszeiten sollen hingegen keine Zwillingsbahnen fahren.

“Zu den Hauptverkehrszeiten von 7:00 bis 9:00 Uhr und von 15:00 bis 18:00 Uhr an Wochentagen werden Fahrten in Doppeltraktion ausgeführt, da hier die Nachfrage sehr hoch sein wird. Die CityBahn kann mit den Zwillingsbahnen alle zehn Minuten bis zu 440 Menschen befördern – eine deutliche Entlastung für die Verkehrsachse zwischen Mainz und Wiesbaden.”

Michael KrausTechnischer Projektleiter bei der CityBahn GmbH

Über 60 Meter lange Busschlange auf der Luisenstraße in Wiesbaden – auch in Mainz ist das kein seltener Anblick.

Diskussionen um Haltestellen

Die Planer der CityBahn befürworten eine Haltestelle in der Großen Bleiche direkt vor dem Landesmuseum. Die langen Bahnsteige für die Zwillingsbahnen könnten hier problemlos gebaut werden. Nachteil des Standortes ist allerdings die größere Entfernung zur Fußgängerzone. Am nahegelegenen Neubrunnenplatzes wäre es jedoch deutlich schwieriger, eine barrierefreie Haltestelle für Zwillingsbahnen umzusetzten und dabei den stark frequentierten Fußgängerüberweg zu berücksichtigen. Aufgrund dieser Situation, sind die Zwillingsbahnen in Mainz nicht unumstritten.

“Wir begleiten das Projekt CityBahn sehr positiv, wollen aber die Verträglichkeit mit den Gegebenheiten in der Mainzer Innenstadt und die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht gefährden.”

Marc BleicherVorsitzender der SPD Mainz

Vor dem Landesmuseum auf der Großen Bleiche kann eine Haltestelle für Zwillingsbahnen umgesetzt werden.

Vorrausschauend geplant

Mit dem Bau der Haltestellen für Zwillingsbahnen reagieren die Planer auch auf die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Denn immer mehr Menschen möchten in Metropolen wohnen, in denen sie Bildung, Arbeit und ein hohes Maß an Lebensqualität finden. Rund 500.000 Einwohner leben derzeit in Mainz und Wiesbaden – und die Städte werden weiter wachsen. Diese Entwicklung spiegelt auch der Öffentliche Personennahverkehr: 2017 beförderten Mainzer Mobilität und ESWE Verkehr zum ersten Mal mehr als 108 Millionen Fahrgäste. Wie rasant die Städte und Kommunen wachsen zeigen wir am Beispiel der Landeshauptstadt Mainz.

“Wir brauchen eine deutliche Kapazitätserhöhung im ÖPNV, weshalb eine Doppel- oder Zwillingstraktion auch in Mainz in den Stoßzeiten nicht nur sinnvoll, sondern nötig ist. Planungen für solche Projekte sind Planungen für die nächsten 50 Jahre, müssen also auch steigende Bedarfe berücksichtigen.”

Sylvia Köbler-GrossFraktionssprecherin der Grünen im Mainzer Stadtrat
215824
Einwohner der Landeshauptstadt Mainz im Jahr 2018
196489
Einwohner der Landeshauptstadt Mainz im Jahr 2008
185693
Einwohner der Landeshauptstadt Mainz im Jahr 1998